nach England käme um das Grab unseres Vaters zu besuchen ich wußte es einzurichten daß ich einmal dort mit ihm zusammentraf ich flehte ihn bei den Manen unseres Vaters an mir zu verzeihen sich mit mir zu versöhnen und wieder in seinen Besitz einzutreten er stieß mich als Verräter und und Vatermörder von sich und wir schieden auf Nimmerwiedersehen Mir ließ es keine Ruhe mehr in meinem Heimatlande ich hatte schon die ganze Dienerschaft entlassen und neue Leute angenommnen um nicht durch jene immer an die traurige Vergangenheit erinnert zu werden aber was half das jeder Baum jeder Strauch in Thornfieldhall brachte sie mir schon in Erinnerung Da beschloß ich mich den quälenden Eindrücken auf einmal zu entreißen und ging auf Reisen Ich sah fast alle bekannten Länder der Erde lernte viel Schönes und Interessantes kennen und auch viele Menschen diese beobachtete und beurteilte ich aber mit verbittertem Gemüt sah in ihnen den Erfahrungen meiner Jugend gemäß nur Wesen vor denen man auf seiner Hut sein müsse weil fie Vertrauen mit Falschheit Liebe mit Trenlosigkeit Aufrichtigkeit mit Haß lohnten und so schloß ich mich ihnen nie an Manchmal ergrifß mich dann die Sehnsucht nach meinem Heimatlande nach den Stätten wo ich meine Kindheit verlebt nach den Gräbern meiner Eltern besonders nach dem Grabe meiner heißgeliebten Mutter Dann kam ich wohl einmal nachThornfieldhall zurück aber lange litt es mich hier nie in den verödeten Räumen meines Hauses ich mußte wieder hinaus in die weite Welt In Spanien traf ich auf meinen Reisen einmal zufällig mit Mason zusammen Er hatte kränklichkeitshalber seinem früheren Berufe entsagen müssen war Weinhändler geworden lebte in Paris und war soeben auf einer Reise begriffen um Einkäufe für sein Geschäft zu machen Er erzählte mir auch daß mein Bruder auch seinen Wohnsitz in Paris habe dort unter dem bescheidenen Namen Varens lebe und Vater einer Tochter sei Sie erraten leicht daß Adele diese Tochter ist Ich blieb von da ab mit Mason in Verbindung und wenn wir auch keine eifrige Korrespondenz führten so hörten wir doch ab und zu durch Briefe von einander Im August vorigen Jahres hielt ich mich in Palermo auf da erhielt ich eines Tages wieder einen Brief von Mason schrecklichen Inhalts Er meldete daß mein Bruder mit dem Pferde gestürzt und unter unsäglichen Schmerzen nach wenigen Tagen verschieden und daß seine Witwe aus Gram und Verzweiflung über den Verlust des Gatten tobendem Wahnsinn anheimgefallen sei Mir fielen jetzt Adeles Erzählungen vom ersten Tage den ich in Thornfieldhall verlebte wieder ein ich hatte nach ihnen das Schicksal ihrer unglücklichen Mutter geahnt In Masons Brief fuhr Mr Rochester fort waren einige Zeilen von der Hand meines Bruders eingelegt die mich tief erschütterten Er hatte sie auf dem Totenbette geschrieben bat mich in ihnen wegen seiner Unversöhnlichkeit um Verzeihung versicherte mich in herzlichen brüderlichen Worten seiner Vergebung und empfahl sein Weib und sein Kind meinem Schutze Richards Brief rief alle meine Liebe für ihn wach ich fühlte mit einem Male daß er mir theurer war als ich