mir vorlesen aber es schien ihr das auch nicht zu gefallen denn mehr als einmal ist sie dabei vor Ermüdung eingeschlafen im Frühjahr und Sommer geht es schon besser der Sonnenschein und die langen Tage bringen etwas Abwechselung und zu Anfang dieses Herbstes kam die kleine Adele mit ihrer Gouvernante da wurde es etwas lebendiger bei uns und nun Sie liebes Kind hier sind so werde ich wieder ganz heiter und glücklich werden wie früher Werden Sie gern hier bleiben O gewiß Mistreß Sie überhäufen mich schon jetzt mit so viel Güte daß ich ganz beschämt vor Ihnen stehe entgegnete Jane Ich werde mich hier sehr zufrieden fühlen Aber mein Gott ich verplaudere die Zeit hier während Sie den ganzen Tag über gefahren sind und sich todmüde fühlen müssen Ich habe das Zimmer welches gleich an das meinige stößt für Sie herrichten lassen es ist zwar klein aber ich denke es wird Ihnen besser zusagen als eines der großen freilich schöner möblierten aber einsamen Vorderzimmer des Hauses Jane dankte ihr für ihre große Freundlichkeit und erklärte sie sei in der That stark ermüdet und sehne sich nach Ruhe worauf sie von Mistreß Harleigh nach dem für sie bestimmten Zimmer geleitet wurde Zufrieden im Hafen der voraussichtlichen Ruhe eingelaufen zu sein und ziemlich erschöpft suchte Jane ihr Lager auf und fiel sofort in tiefen Schlaf Als sie erwachte schien die Sonne schon hell in das Zimmer und zeigte ihr freundliche tapezierte Wände einen mit Teppichen belegten Fußboden und eine recht gefällige Ausmöblierung gegen ihren Aufenthalt in Lowood schätzte sie sich in einem Paradiese zu sein und glaubte sie die Tage ihres nunmehrigen Glückes erwarten zu dürfen Jane erhob sich und kleidete sich so sauber wie möglich an obgleich ihr geringer Vorrat die größte Einfachheit zur Pflicht machte aber nachdem sie ihr schwarzes Kleid angezogen einen reinen weißen Kragen umgelegt und ihr Haar sehr sorgfältig geordnet und glatt gekämmt hatte glaubte sie ihrer Stellung entsprechend vor Mistreß Harleigh erscheinen zu können und ihrer Schülerin keinen Widerwillen einzuflößen So ausgerüstet wagte sich Jane aus ihrer zierlichen Klause die so recht nach ihrem Geschmacke eingerichtet war hinaus Sie schritt zunächst durch eine lange mit Matten bedeckte Galerie über welche sie am gestrigen Abende mit Mistreß Harleigh geschritten war stieg einige Stufen von Eichenholz hinunter und befand sich dann in der Vorhalle in welche sie gestern eingetreten war Alles erschien ihr stattlich und imposant Die Hausthüre in deren oberen Hälfte sich Glasfenster befanden stand offen und der schöne Herbstmorgen lockte die junge Erzieherin ins Freie die Sonne schien hell und freundlich auf grünende Felder und sich bereits buntfärbende Wälder Sie trat auf einen freien Rasenplatz und überschaute die Front des Gebäudes das sie erst bei Nacht gesehen hatte es war drei Stockwerk hoch und von ziemlich ansehnlichem Umfange Die Zinnen die das Gebäude umgaben verliehen demselben ein stattliches Aussehen und seine graue Front stach gegen ein Dohlengeniste ab dessen schwarze Bewohner lärmend umherflogen ihren Flug über den Rasenplatz dem Parke zu nahmen und sich Würmer