Gemach Lord Rochester kann nur noch wenige Augenblicke weg bleiben und hat Befehl gegeben alle Ihre ausgesprochenen oder auszusprechenden Wünsche aufs pünktlichste zu erfüllen Als sich die Thüre öffnete und Jane 's Blick auf die erste eintretende Dame fiel erkannte sie zu ihrem Schrecken ja zu ihrem Entsetzen diejenige Dame welcher sie am allerwenigsten in ihrem Leben jemals wieder zu begegnen gewünscht hatte es war Mistreß Need Obwohl bedeutend gealtert und merklich ergraut auch wohl körperlich etwas hinfälliger geworden erkannte Jane ihre ärgste Feindin an dem kalten gleichgiltigen Gesichtsausdruck der sich durch der Länge der Jahre nicht im mindesten abgeschwächt oder verringert hatte Jane hatte indessen so viel Selbstbeherrschung daß sie durch keinen Laut ja durch keine Miene oder Bewegung verraten hätte was in ihrem Innern vorging nur gebrauchte sie die Vorsicht sich etwas tiefer in das Zimmer zurückzuziehen und Mistreß Harleigh die Unterhaltung führen zu lassen Die jüngere Dame welche mit Mistreß Reed zugleich kam war Georgine darüber war kein Zweifel bei Jane denn wenn sie auch ihr Antlitz mit einem Schleier verhüllt hatte so zeigten doch ihre Figur und ihre stolze Haltung welche für Jane unvergeßlich waren deutlich daß nur sie es sein konnte Der Herr welcher Mistreß Reed den Arm gereicht hatte war dem Anscheine nach Georginens Gatte Lord Clarens also konnte sie es nicht sein welche Lord Rochester nach Patriks Meinung zu heiraten beabsichtigte Mistreß Reed schien unwohl zu sein denn sie ließ sich sogleich nach dem Sopha führen und nahm erschöpft auf demselben Platz Ich danke Ihnen Lord Clawdon für Ihre Mühe sprach sie leise Befindest Du Dich nicht wohl Mama frug Georgine und schlug ihren Schleier zurück Jane bemerkte daß sie schöner noch geworden war als sie früher gewesen Ich finde die Luft in diesem Hause hier dumpf und drückend mein Kind antwortete Mistreß Reed tief Atem schöpfend Ich hätte auch gleich zur Ruhe gehen und mich nicht mehr mit hierher führen lassen sollen Mein Kopf droht mir zu zerspringen Du hast Dich zu warm angezogen Mama entgegnete Georgine Warum auch mußtest Du Dich so in Pelz und Seide einhüllen als wenn wir mitten im stärksten Winter wären anstatt daß wir mit vollen Segeln auf den Frühling lossteuern Georgine mein Kind o mein Gott wie wird mir plötzlich Aber Mama Du erschreckst mich ja ordentlich rief Georgine und trat von dem Herrn weg mit dem sie sich bisher leise und angelegentlich unterhalten hatte zu ihrer Mutter Mir ist so unheimlich und bang zu Mute daß ich mich kaum aufrecht zu halten vermag Hier nimm mein Flacon das wird Dir wohlthun und Dich stärken Leider habe ich es im Wagen liegen lassen Lord Francis wandte sie sich an ihren früheren Begleiter sehen Sie nach damit es Jemand aus dem Wagen heraufholt ich bitte darum Laß das Flacon es hilft mir nichts Seit ich dieses Zimmer betreten hat mich jene Unruhe jene Beklommenheit wieder überfallen die mich zuletzt beim Tode Deines Gatten heimsuchte und welche mir einen jeden harten Schicksalsschlag anzukündigen pflegt Laß doch Deine Hirngespinste