sich und schlossen die Tür zu ich war allein in dem kalten und öden roten Zimmer vor dem ich mich immer entsetzlich gegrauelt hatte denn hier in jenem pompösen Himmelbett mit den dunkelroten Damastvorhängen war vor neun Jahren mein Onkel Reed gestorben und seitdem war es so gut wie unbewohnt geblieben Aber Augenblicklich empfand ich keine Furcht denn noch wallte mein Blut zu heftig noch tobte in mir die wilde Wut einer rebellischen Sklavin und so war meine erste Regung nun rasch aufzustehen und mich zu vergewissern ob ich wirklich eine Gefangene sei Ja leider Kein Kerker konnte besser verschlossen sein Als ich von der Tür zurückkam mußte ich an dem Spiegel vorüber aber mein Blick blieb wie bezaubert daran haften und suchte die Tiefe zu ergründen die sich da vor mir auftat Alles sah darin noch kälter und düsterer aus als es in Wirklichkeit war und die unschöne kleine Gestalt die mich daraus anschaute mit dem weißen Gesicht und mit Armen die sich von der Dunkelheit scharf abhoben und mit ihren grellen verängstigten Augen die sich bewegten wo sonst alles ruhig war brachte einen Eindruck hervor als sähe sie einen Geist eines jener Gespenster die Bessies Abenderzählungen aus einsamen mit Farnkräutern bewachsenen Sümpfen vor unserm innern Auge heraufzubeschwören pflegten Ich ging zu meinem Stuhle zurück In diesem Augenblicke regte sich der Aberglaube in mir war aber die Stunde seines vollständigen Sieges nicht gekommen mein Blut war noch heiß noch hatte die Stimmung des empörten Sklaven in mir die Oberhand ich mußte mich erst vor dem Ansturm der zurückgebliebenen Gedanken entgegenstemmen bevor ich die traurige Gegenwart recht fühlen konnte Alle tyrannischen Handlungen John Reeds die ganze stolze Gleichgültigkeit seiner Schwestern die ganze Abneigung seiner Mutter die ganze Parteilichkeit der Dienerschaft stieg in meinem verstörten Geiste auf wie ein trüber Bodensatz in einem aufgerührten Brunnen Warum mußte ich stets leiden warum stets beschuldigt verurteilt und eingeschüchtert werden Warum konnte ich es niemand recht machen Elisa die halsstarrig und selbstsüchtig war achtete man Georgiana mit ihrer Tücke ihrem zänkischen und frechen Wesen sah man stets alles nach Ihre Schönheit ihre roten Wangen und goldenen Locken entzückten jedermann und erkauften ihr für jeden Fehler Straflosigkeit John vollends legte niemand etwas in den Weg geschweige denn daß er je bestraft wurde wenn er den Tauben die Hälfte umdrehte die Hunde hinter die Schafe hetzte die Treibhäuser plünderte seine Mutter nannte er das alte Kamel nicht selten zerriß oder beschmutzte er ihr seidenes Kleid und doch war er bei all dem stets ihr Liebling Ich wagte mir keinen Fehler zu Schulden kommen zu lassen ich bestrebte mich jede Pflicht zu erfüllen und man nannte mich unartig verdrießlich und niederträchtig vom frühen Morgen bis zum späten Abend Mein Kopf tat mir weh und blutete von dem Schlage und von dem Falle gegen die Tür Niemand hatte John deswegen gescholten daß er mich geschlagen und weil ich mich gegen ihn gewehrt hatte überschüttete mich jedermann mit Vorwürfen Wie ungerecht sagte meine Vernunft die der so qualvolle Stachel