aber auch gesund das war eine andere Frage Die Waldschlucht in der Lowood lag war eine Brutstätte von Nebeln die mit dem Frühling in das Waisenstift eindrangen die überfüllten Schul und Schlafzimmer mit ihrem Hauche verpesteten und ehe der Mai herbeikam die Schule in ein großes Hospital verwandelten Die Ansteckung griff um so leichter um sich als unsere Ernährung die denkbar schlechteste war und die Krankenpflege bei Erkältungen alles zu wünschen übrig ließ fünfundvierzig von achtzig Schülerinnen lagen zu gleicher Zeit krank darnieder Der Schulunterricht wurde eingestellt und die Vorschriften des Hauses nicht mehr so strenge beobachtet Die Wenigen die gesund geblieben genossen nun einer fast unbeschränkten Freiheit weil der Arzt erklärte es sei viele Bewegung im Freien durchaus notwendig und wäre das auch nicht gewesen so hätte doch niemand Zeit und Muße gehabt die Zöglinge zu überwachen oder davon abzuhalten Fräulein Temple wurde von den Kranken vollständig in Anspruch genommen sie kam gar nicht aus dem Krankenzimmer heraus es sei denn um einige Stunden zu schlafen Die Lehrerinnen hatten vollauf zu tun um denjenigen Mädchen die so glücklich waren Freunde und Verwandte zu haben ihre Sachen zur Abreise packen zu helfen Viele die bereits von der Seuche angesteckt waren gingen nur nach Hause um da zu sterben Einige starben in der Schule und wurden schnell und in aller Stille begraben da die Natur der Krankheit jeden Aufschub verbot Während so die Seuche in Lowood eingekehrt und der Tod ein häufiger Gast geworden war während eine düstere Stimmung und Furcht innerhalb dessen Mauern herrschte während die Zimmer und Gänge die Gerüche eines Hospitals verbreiteten und Mixturen und Pillen die tödlichen Miasmen zu bekämpfen suchten leuchtete draußen jener herrliche Mai unbewölkt über den stolzen steilen Höhen und dem herrlichen Walde Aber auch der Garten entwickelte einen reichen Blumenflor Rosenpappeln waren aufgeschossen so hoch wie Bäume Lilien hatten sich entfaltet die Georginen und Rosen standen in Blüte die Einfassungen der kleinen Beete waren lustig anzusehen mit ihren blaßroten Bergnelken und hochroten gefüllten Maßliebchen die Weinrosen verbreiteten morgens und abends ihren gewürzigen an Aepfel erinnernden Duft aber alle diese wohlriechenden Schätze waren für die meisten Bewohnerinnen Lowoods nutzlos es sei denn wenn man Blumen brauchte um sie in einen Sarg zu legen Doch ich und die Uebrigen die gesund blieben erfreuten sich der Schönheiten der Naturszenen und der Jahreszeit in vollem Maße man ließ uns wie Zigeuner vom Morgen bis zum Abend im Walde herumschweifen wir taten was wir wollten und gingen wohin es uns gefiel auch wurden wir nun besser genährt Jetzt kam der Herr Pfarrer mit seiner Familie nicht mehr nach Lowood die knauserige Haushälterin hatte das Weite gesucht und ihre Nachfolgerin kannte nicht die Grundsätze die sonst für Lowood maßgebend gewesen waren und verabfolgte daher verhältnismäßig starke Portionen Ueberdies hatte man ja nicht mehr so viele zu ernähren die Kranken konnten nur wenig essen und wenn es an Zeit mangelte ein regelmäßiges Mittagessen zu bereiten was oft vorkam pflegte man uns doch ein großes Stück kalte Pastete oder ein großes