in Gedanken versunken dann raffte sie sich auf und sagte in heiterem Tone Aber ihr beide seid heute abend meine Gäste und ich muß euch als solche bewirten Sie klingelte Barbara sagte sie zu der eintretenden Magd man hat mir noch nicht meinen Tee gebracht bring das Teeservice und auch zwei Tassen für die beiden Fräulein mit Bald wurde der Tee serviert Wie schön erschienen in meinen Augen die Porzellantassen und der glänzende Teetopf die man auf den kleinen runden Tisch neben dem Feuer stellte Wie angenehm duftete der aufsteigende Dampf und das geröstete Brot wovon ich indessen zu meinem großen Schrecken nur eine sehr kleine Portion entdeckte Auch Fräulein Temple sah es Barbara sagte sie kannst du nicht etwas mehr Butter und Brot bringen Es reicht nicht für uns drei Barbara entfernte sich bald kehrte sie zurück Frau Harden sagt sie hat die gewöhnliche Portion raufgeschickt O ich sehe schon erwiderte Fräulein Temple wir müssen uns so einrichten daß es reicht Und als das Mädchen sich entfernt hatte setzte sie lächelnd hinzu Glücklicherweise steht es dieses Mal in meiner Macht das Fehlende zu ergänzen Nachdem sie Helene und mich aufgefordert hatte uns an den Tisch zu setzen stellte sie einer jeden eine Tasse Tee samt einem köstlichen wenn auch dünnen Stück geröstetem Brot hin dann stand sie auf öffnete ein Fach und nahm etwas heraus was mit Papier umwickelt war es war ein Streukuchen von ziemlicher Größe ich hatte im Sinne einer jeden ein Stück von diesem Kuchen mitzugeben sagte sie da aber so wenig geröstetes Brot da ist so sollt ihr es jetzt bekommen Und nun schnitt sie mit freigebiger Hand ein Stück nach dem andern ab An jenem Abend schmausten wir wie die Götter Der Tee und der Kuchen schmeckten uns wie Nektar und Ambrosia und was nicht wenig dazu beitrug daß wir die Bewirtung entzückend fanden war das süße Lächeln womit unsere Wirtin uns betrachtete während wir die Delikatessen verputzten die sie uns so freigebig reichte Nachdem der Tee getrunken und das Geschirr weggeräumt war ließ sie uns an dem Kamin Platz nehmen wir saßen zu ihren beiden Seiten und nun entspann sich ein Gespräch zwischen ihr und Helene das mitanhören zu dürfen kein kleines Vorrecht war Fräulein Temple hatte in ihrer Miene stets etwas Heiteres in ihrer ganzen Haltung etwas Stattliches in ihrer Sprache etwas Verfeinertes und Schickliches was der Heftigkeit und der Aufregung nie einen Spielraum gestattete etwas was dem Vergnügen derjenigen die sie ansahen und ihr zuhörten durch ein unwillkürliches Gefühl der Ehrfurcht eine höhere Weihe gab Doch daran war ich gewöhnt aber Helene kam mir wie umgewandelt vor Das reichliche Mahl die behagliche Zimmerwärme die Freundlichkeit ihrer geliebten Lehrerin und vielleicht mehr als alles das ihre eigene Gemütsstimmung hatte alleKräfte in ihr geweckt Ihre sonst so bleichen und blutlosen Wangen glühten aus dem flüssigen Glanze ihrer Augen leuchtete eine Schönheit die noch bestrichender war als die Fräulein Temples eine Schönheit die weder durch eine Nüancierung der Gesichtsfarbe noch durch die Länge der