Appetit Die Speise war gut und der fieberhafte Geschmack war weg der bis dahin alles was ich verschlungen vergiftet hatte Als sie mic verließ fühlte ich mich verhältnismäßig stark bald machte sich der Ueberdruß der Ruhe und der Wunsch nach Tätigkeit bei mir geltend Ich wollte aufstehen aber was konnte ich an ziehen Nur meine feuchten und beschmutzten Kleider worin ich auf dem Boden geschlafen hatte und in den Sumpf gefallen war Ich schämte mich in solchem Aufzuge vor meinen Wohltätern zu erscheinen Die Demütigung wurde mir erspart Auf einem Stuhle neben dem Bette lagen alle meine Kleidungs stücke rein und trocken Mein schwarzseidener Rock hing an der Wand Die Spuren von dem Kote des Sumpfes waren verschwunden die Falten weggeglättet der Rock sah ganz anständig aus Sogar meine Schuhe und Strümpfe waren gereinigt Im Zimmer war alles Nötige um mich zu waschen auch war ein Kamm und eine Bürste da um mein Haar in Ordnung zu bringen Es kostete mich viele Mühe mich voll ständig anzuziehen da ich alle fünf Minuten ausruhen mußte Doch gelang es mir endlich Meine Kleider waren mir zu weit da ich sehr abgenommen hatte allein ich bedeckte etwaige Mängel mit einem Schal und nun da ich wieder anständig aussah schleppte ich mich am Geländer einer steinernen Treppe in einen engen niedern Gang hinab und fand meinen Weg alsbald nach der Küche Sie war voll von dem angenehmen Geruche des neugebackenen Brotes und es brannte ein gutes warmes Feuer darin Hannah war mit Backen beschäftigt Bekanntlich sind Vorurteile am schwersten aus den Herzen auszurotten deren Boden durch die Erziehung nie gelockert oder befruchtet worden ist sie wachsen Und wurzeln dort unter den Steinen Hannah war in der Tat anfangs kalt und steif gewesen in den letzen Tagen hatte sie angefangen sich ein wenig erweichen zu lassen und als sie mich nett und wohlgekleidet hereintreten sah konnte sie sich sogar eines Lächelns nicht erwehren Wie Sie sind auf sagte sie Es geht sonach besser mit Ihnen Setzen Sie sich dort auf meinen Stuhl am Herde wenn Sie wollen Sie deutete hin auf den Schaukelstuhl ich setzte mich Sie hatte bald da bald dort zu tun und sah mich dann und wann von der Seite an Sich zu mir wendend als sie einige Laibe aus dem Ofen nahm fragte sie ohne Umschweife Haben Sie bevor Sie hierher kamen auch schon gebettelt Einen Augenblick konnte ich mich des Unwillens nicht er wehren da ich mich aber erinnerte daß Zorn und Aerger nicht am Platze seien und daß ich in der Tat wie eine Bettlerin vor ihr erschienen war so antwortete ich ruhig aber doch nicht ohne eine gewisse Entschiedenheit und Festigkeit Ihr irrt Euch wenn Ihr mich für eine Bettlerin haltet Ich bin keine Bettlerin ebensowenig wie Ihr oder Eure jungen Damen Nach einer Pause sagte sie Das verstehe ich nicht ich denke doch Sie haben kein Haus und kein Geld Der Mangel an Geld oder an einem Hause macht mich noch nicht zu einer Bettlerin Sind Sie