Schleier der von dem Kleiderrechen herabhing Ich schloß den Schrank um den seltsamen geisterhaften Schmuck den es enthielt zu verbergen einen Schmuck der zu dieser Abendstunde es war neun Uhr gewiß einen geisterhaften Schimmer durch den Schatten meines Zimmers hindurch verbreitete Ich will dich allein lassen du Traumgebilde sagte ich Ich bin fieberhaft erregt ich höre den Wind wehen ich will hinaus und ihn fühlen Es war nicht bloß die Eile der Vorbereitung die mich so fieberhaft aufgeregt hatte nicht bloß die Vorempfindung der großen Veränderung des neuen Lebens das morgen für mich beginnen sollte ohne Zweifel trugen ja diese Umstände zu der ruhelosen Stimmung bei die mich zu dieser späten Stunde in den Park hinaustrieb auf den bereits die Finsternis sich herabsenkte eine dritte Ursache übte auf meinen Geist einen mächtigeren Einfluß als sie Ein seltsamer beängstigender Gedanke ging mit mir um Etwas war vorgefallen was ich nicht zu begreifen vermochte niemand wußte um die Sache niemand hatte es mit eigenen Augen gesehen als ich Der Vorfall hatte sich in der vergangenen Nacht ereignet Rochester war in jener Nacht von Hause abwesend auch noch jetzt nicht zurückgekehrt Ich harrte nun seiner Rückkunft voller Sehnsucht mein Gemüt zu entlasten und bei ihm die Lösung dieses Rätsels zu suchen das mich in Bestürzung versetzte Ich suchte den Obstgarten auf und wollte dort Schutz finden vor dem Winde der den ganzen Tag über stark aus dem Süden geblasen hatte ohne dabei einen Tropfen Regen zu bringen Anstatt sich mit einbrechender Nacht zu legen schien er noch gewaltiger rauschen und brüllen zu wollen Die Bäume neigten sich beharrlich nach einer Seite hin und ihre Aeste konnten sich kaum einmal in einer Stunde wieder aufrichten so anhaltend war die Gewalt die ihre Wipfel nach Norden beugte Die Wolken jagten von Pol zu Pol Masse auf Masse in rascher Folge Von einem blauen Himmel war an jenem Julitage auch nicht eine Spur zu sehen gewesen Nicht ohne ein gewisses wildes Vergnügen rannte ich vor dem Winde her um die Unruhe meines Geistes dem unmeßbaren Luftstrome zu übergeben der durch den Raum dahin sauste In dem Lorbeergange stand ich bald vor dem Reste des Kastanienbaums Er stand da schwarz und zerspalten der Stamm nach seiner ganzen Länge zerrissen klaffte gräßlich Die beiden Hälften waren nicht auseinandergefallen denn der feste Fuß und die starken Wurzeln hielten sie unten zusammen obgleich die Gemeinsamkeit des Lebens zerstört war Der Saft konnte nicht mehr fließen die großen Aeste zu jeder Seite waren abgestorben und die nächsten Winterstürme mußten eine oder beide Hälften umwerfen jetzt konnte man indessen noch sagen daß sie einen Baum bildeten Ihr hattet recht fest aneinanderzuhalten sagte ich als ob die Riesensplitter lebendig wären und mich hören könnten Ich denke so beschädigt und verkohlt ihr auch ausseht so muß doch noch ein klein bißchen Leben in euch sein das von der Anhänglichkeit an die treuen ehrlichen Wurzeln kommt Ihr werdet keine grünen Blätter mehr bekommen werdet keine Vögel mehr sehen die ihre Nester auf euren Zweigen bauen