was für ein Gesicht es werden sollte Ich nahm einen weichen schwarzen Bleistift spitzte ihn stumpf zu und arbeitete darauf los Bald hatte ich auf dem Papier eine breite und hervorragende Stirn und einen viereckigen Umriß vom untern Teil des Gesichts dieser Umriß machte mir Ver gnügen Meine Finger fuhren emsig fort ihn mit Zügen aus zufüllen Stark gezeichnete horizontale Augenbrauen mußten unter dieser Stirn angebracht werden sodann kam natürlich eine deutlich hervortretende Nase mit geradem Rücken und weiten Oeffnungen dann ein anscheinend weicher Mund nicht zu schmal dann ein festes Kinn mit einem entschiedenen Spalt in der Mitte natürlich gehörte dazu ein schwarzer Backenbart sowie etwas schwarzes Haar das sich in Büscheln an den Schläfen und wellenförmig iber die Stirn hinzog Die Augen hatte ich bis zulett gelassen weil sie die sorgfältigste Arbeit erforderten Ich zeichnete sie groß und schön geformt die Wimpern lang und dunkel die Iris und die Augäpfel glänzend und groß Gut Aber doch nicht ganz das Richtige dachte ich als ich das Ganze übersah es muß noch mehr Energie und Leben hinein Ich machte die Schatten dunkler damit die Lichter um so heller ausfallen möchten einige glücklichen Striche vervoll ständigten den Erfolg Da hatte ich nun das Gesicht eines Freundes vor meinen Augen und was verschlug es mir nun daß die jungen Damen mir den Rücken zukehrten Ist dies das Portrait eines Herrn den Sie kennen fragte Elisa die unbemerkt zu mir herangekommen war Ich erwiderte es sei nichts als ein Kopf wie meine eigene Phantasie ihn sich gebildet und legte ihn eiligst zu den übrigen Blättern Natürlich log ich es war in der Tat ein sehr getreues Konterfei des Herrn Rochester Aber was ging das sie an oder irgend jemanden außer mir Auch Georgiana kam herbei um sich den Kopf anzusehen Die andern Zeichnungen gefielen ihr sehr diese aber nannte sie einen häßlichen Mann Beide schienen überrascht von meiner Geschichklichkeit Ich erbot mich sie zu portraitieren und jede saß mir nun zu einer kleinen Sktzze Alsdann brachte Georgiana ihr Album herbei Ich versprach ihr etwas mit Wasserfarben zu malen was sie in gute Laune versetzte Sie schlug mir einen gemeinsamen Spaziergang im Park vor Wir waren noch keine zwei Stunden draußen und schon war unser Gespräch ganz vertraulich Sie erzählte mir von dem glänzenden Winter den sie vor zwei Jahren in London zugebracht und schilderte welche Bewunderung sie dort erregte Ich erhielt sogar Winke über die hochadlige Eroberung die sie dort gemacht hatte Im Laufe des Nachmittage und des Abends nahmen diese Winke noch eine deutlichere bestimmtere Gestalt an Es wur den mir verschiedene zarte Gespräche und empfindsame Scenen mitgeteilt mit einem Wort sie entrollte vor meinen Augen einen Roman aus dem Leben der feinen Welt Die Mitteilungen er neuerten sich mit jedem Tage sie hatten stets dieselben Ereig nisse und Personen zum Gegenstand sie selbst ihre Lieb schaften und ihr Leid Nie kam sie auf die Krankheit ihrer Mutter oder den Tod ihres Bruders oder die gegenwärtigen traurigen Aussichten der Familie zu sprechen