in der Kinderstube am Kamin Physisch fühlte ich mich recht matt mein ärgstes Leiden aber war ein unaussprechliches geistiges Elend das mir unablässig stille Tränen auspreßte Bei alledem dachte ich ich müsse noch froh sein denn keins von den Reeds war da Sie waren alle mit ihrer Mutter ausgefahren auch die Abbot nähte in einem andern Zimmer und Bessie richtete wenn sie ab und zuging Spielsachen aufräumte und in einer Kommode etwas zurecht legte von Zeit zu Zeit ein ungewöhnlich freundliches Wort an mich Dieser Zustand der Dinge hätte für mich ein Paradies des Friedens sein sollen da ich ja nur an steten Tadel und undankbare Mühe gewöhnt war leider konnte aber meine aufs äußerste angegriffenen Nerven keine Ruhe besänftigen keine Freude angenehm erregen Bessie war in die Küche hinuntergegangen und hatte einen Kuchen auf einem prachtvollen Porzellanteller heraufgebracht worauf ein Paradiesvogel und tropische Blumen abgemalt waren Diesen Teller hatte ich mir oft ausgebeten um ihn genauer zu betrachten aber bisher war ich stets eines solchen Vorrechts für unwürdig erachtet worden Heute hielt ich ihn un endlich auf meinem Schoß und war freundlich eingeladen das darauf liegende köstliche Backwerk zu verzehren Vergebliche Gunst die wie fast alle lange verzögerten und oft ersehnten Gunstbezeigungen zu spät kam Ich hatte keinen Appetit fand die Malerei verblichen und stellte den Teller samt der Torte bald weg Bessie fragte mich ob ich ein Buch wolle Das Wort Buch wirkte einen Augenblick wie ein Sporn und ich bat sie sie möchte Galliers Reisen aus dem Bibliothekzimmer holen Dieses Buch zog ich den schönsten Märchen vor denn ich hatte die Elfen und Feen vergebens unter Fingerhutblättern und Glockenblumen unter Moosrosen und dem alte Mauerwinkel bekleidenden Efeu gesucht und war endlich zu der traurigen Gewißheit gelangt daß sie nicht mehr auf dieser Welt weilten Da nun aber Lilliput und Brobdignag wie ich glaubte feste Teile der Erdoberfläche waren so zweifelte ich nicht daß ich einst auf einer langen Reise mit eigenen Augen die kleinen Felder Häuser und Bäume die winzigen Menschen Kühe Schafe und Vögel des einen Landes sowie die baumhohen Kornfelder die gewaltigen Bullenbeißer die riesigen Katzen die turmhohen Männer und Weiber des andern zu Gesicht bekommen würde Als mir nun aber dieses geliebte Buch in die Hand gegeben wurde als ich in seinen wunderbaren Schilderungen den Zauber suchte den ich bis dahin stets darin gefunden hatte kam mir alles öde und unerquicklich vor die Riesen waren dürre Kobolde die Pygmäien boshafte Teufelchen Gulliver ein unglücklicher hülfloser Wandrer Ich schlug das Buch zu und legte es auf den Tisch neben die unangebrochene Torte Bessie war nun mit Abstäuben und Aufräumen fertig sodann wusch sie sich die Hände und machte eine Schublade auf die mit schönem Seidenzeug und Atlas angefüllt war und begann für Georgianas Puppe einen neuen Hut zu machen dabei sang sie folgendes Lied Zur Zeit als wir ein Zigeunerleben Führten s ist lange lange her ich hatte das Lied schon oft vorher und zwar immer mit Entzücken gehört denn Bessie hatte eine angenehme Stimme