machte eine Handbewegung nach der Tür zum Zeichen daß er der Gesellschaft müde sei und sie entließe Mrs Fairfax legte ihre Strickerei zusammen Jane nahm ihre Zeichenmappe sie verneigten sich vor ihm erhielten eine steife und kalte Verbeugung als Gegengruß und zogen sich dann zurück Mrs Fairfax Sie sagten daß Mr Rochester keine auffallenden Eigentümlichkeiten besitze bemerkte Jane als sie wieder zu ihr ins Zimmer trat nachdem sie Adele ins Bett gebracht hatte Nun und besitzt er deren Ich glaube wohl Er ist sehr veränderlich und launenhaft Das ist allerdings wahr Ohne Zweifel muß er einem Fremden so erscheinen aber ich bin schon so lange an seine Art und Weise gewöhnt daß ich mir gar keine Gedanken mehr darüber mache Und überdies sollte man sich nicht darüber wundern wenn seine Laune nicht immer gleichmäßig ist Weshalb das Teilweise weil es in seiner Natur liegt und keiner von uns kann gegen seine Natur kämpfen hauptsächlich aber weil er wohl oft traurige und qualvolle Gedanken haben mag die ihn peinigen und seine gute Laune stören Was quält ihn denn Familienkummer vor allen Dingen Aber er hat ja keine Familie Jetzt nicht mehr aber er hatte eine Verwandte wenigstens Er verlor seinen älteren Bruder vor einigen Jahren Seinen älteren Bruder Ja Der gegenwärtige Mr Rochester ist noch nicht sehr lange im Besitz der Güter und des Vermögens erst ungefähr seit neun Jahren Neun Jahre sind eine lange Zeit Liebte er seinen Bruder so zärtlich daß er noch jetzt über seinen Verlust untröstlich ist Nein nein das ist vielleicht nicht der Fall Ich glaube aber daß einige Mißverständnisse zwischen ihnen bestanden Mr Rowland Rochester war Mr Edward gegenüber nicht ganz gerecht und vielleicht war er es auch der den Vater gegen ihn einnahm Aus diesem Grunde hält sich Mr Rochester auch nicht gern in Thornfield auf um nicht den alten Erinnerungen zu erliegen Vierzehntes Kapitel Mrs Reeds Tod Mr Rochester hielt sich dieses Mal länger in Thornfield auf als gewöhnlich und Jane erkannte bald ihr Unrecht wenn sie ihn für hochmütig und launenhaft hielt Im Gegenteil sah sie bald ein daß er trotz seiner anscheinenden Strenge und Rauheit ein gutes und vor allem gerecht denkendes Herz hatte Bald war er ihr gegenüber nicht mehr steif und herrisch sondern mitteilsam und vertraulich Die Leichtigkeit und Freiheit seiner Manieren befreite sie vom quälenden Zwange seine freundliche Offenherzigkeit tat ihr wohl Zuweilen war es ihr als sei er ihr nahe verwandt sie vergaß ganz daß er eigentlich ihr Brotherr war Wohl war er hier und da noch gebieterisch und herrisch aber das kränkte sie nicht mehr da sie nun wußte daß es nun einmal so seine Art sei So fühlte sie sich zufrieden und glücklich auch ihre körperliche Gesundheit wurde besser sie wurde stark und kräftig Besonders dankbar aber war sie ihrem Brotherrn für die geistige Nahrung die er ihr bot Er gab ihr Bücher aus seiner Bibliothek deren Inhalt er dann in den Mußestunden mit ihr besprach Auch schenkte er ihr einen prächtigen Farbenkasten und Malutensilien