ein Gedanke wie niemals zuvor Wie traurig ist es doch jetzt auf dem Krankenbett liegen zu müssen und in Todesgefahr zu schweben Diese Welt ist so schön wie entsetzlich wäre es abberufen zu werden und wer weiß wohin gehen zu müssen Und dann machte ihre Seele die erste ernste Anstrengung das zu begreifen was man in bezug auf Himmel und Hölle in sie gelegt hatte zum erstenmal blickte sie um sich und sah vor sich neben sich hinter sich nichts als einen unermeßlichen Abgrund zum erstenmal bebte ihre Seele entsetzt zurück sie empfand und fühlte nichts Sicheres mehr als den einen Punkt auf welchem sie stand die Gegenwart alles andere war eine formlose Wolke eine unergründliche Tiefe es schauderte sie bei dem Gedanken zu straucheln zu wanken und in den Abgrund hinabzutauchen Als sie noch diesen neuen Gedanken nachhing hörte sie wie die große Haustür geöffnet wurde Mr Bates trat heraus mit ihm eine Krankenwärterin Nachdem die Wärterin gewartet bis der Doktor aufs Pferd gestiegen und fortgeritten war wollte sie die Tür wiederum schließen Jane lief zu ihr Wie geht es Helen Burns Sehr schlecht lautete die Antwort War Mr Bates ihretwegen gekommen Ja Und was sagt er Er sagt daß sie nicht mehr lange bei uns verweilen wird Hätte Jane diese Redensart vor einiger Zeit gehört so würde sie nur geglaubt haben daß man Helen nach Northumberland in ihre Heimat bringen wolle Sie würde nicht vermutet haben daß es bedeute sie liege im Sterben Aber jetzt begriff sie sofort es wurde ihr augenblicklich klar daß Helen Burns Tage auf dieser Welt gezählt seien und daß sie bald hinauf in die Welt der Geister gehen würde Im ersten Moment bemächtigte sich ihrer ein namenloser Schrecken dann empfand sie den heftigsten Schmerz dann einen Wunsch den Wunsch sie zu sehen Und sie fragte in welchem Zimmer Helen läge Sie ist in Miß Temples Zimmer sagte die Wärterin Kann ich hinauf gehen und mit ihr sprechen O nein Kind Das geht nicht an Und jetzt ist es auch für Sie Zeit hineinzugehen Sie werden das Fieber bekommen wenn Sie draußen sind während der Tau fällt Die Wärterin schloß die Haustür Jane ging durch den Seiteneingang welcher zu dem Schulzimmer führte sie kam noch zu rechter Zeit es war neun Uhr und Miß Miller rief gerade die Schülerinnen zum Schlafengehen Es mochte vielleicht zwei Stunden später ungefähr elf Uhr sein es war Jane nicht möglich gewesen einzuschlafen und aus der tiefen Ruhe welche im Schlafzimmer herrschte schloß sie daß ihre Gefährtinnen fest schliefen leise stand sie auf zog ihr Kleid über ihr Nachtgewand und schlich barfuß aus dem Gemach um Miß Temples Zimmer zu suchen Es befand sich am entgegengesetzen Ende des Hauses aber Jane kannte den Weg und die Strahlen des unbewölkten Sommermondes halfen ihr ihn zu finden Jane verspürte einen scharfen Geruch von Kampher und gebranntem Essig als sie sich dem Zimmer der Fieberkranken näherte schnell eilte sie an der Tür vorüber aus Furcht daß die Krankenwärterin welche die ganze Nacht