während innerhalb seiner Mauern Furcht und Trauer herrschten während die Dünste eines Hospitals durch Zimmer und Korridore zogen und Tränke und Pastillen umsonst versuchten der Ausdünstung des Todes entgegen zu wirken leuchtete draußen der strahlende Mai über stolze Hügel und herrliches Waldland Der Garten prangte im Blumenflor Rosenpalmen waren so hoch wie Bäume in die Höhe geschossen Lilienkelche waren erschlossen Tulpen und Rosen standen in Blüte die Ränder der kleinen Beete strahlten in ihrem Schmuck von rosa Seenelken und dunkelroten Tausendschönchen Morgen und Abend strömten die Heckenrosen ihren würzigen Duft aus und diese blühenden Schätze waren jetzt für die meisten Bewohnerinnen von Lowood wertlos nur zuweilen legte man ihnen eine Handvoll Blüten und Kräuter in den Sarg Aber Jane und die übrigen welche gesund blieben genossen in vollen Zügen die Schönheit des Frühlings und der Gegend man ließ sie wie Zigeuner im Walde umherstreifen sie taten von morgens bis abends nur was ihnen gefiel gingen wohin sie wollten und führten überhaupt ein besseres Dasein als früher Mr Brocklehurst und seine Familie kamen Lowood jetzt gar nicht mehr zu nahe die Angelegenheiten der Haushaltung wurden nicht mehr geprüft die böse Haushälterin war fort die Furcht vor Ansteckung hatte sie fortgetrieben ihre Nachfolgerin welche in der Armenapotheke in Lowton Vorsteherin gewesen war kannte die Gebräuche ihres neuen Aufenthalts noch nicht und versorgte die Waisen mit verhältnismäßiger Freigebigkeit Außerdem waren ihrer ja weniger die da Nahrung verlangten die Kranken konnten wenig essen die Frühstücksschüsseln wurden besser gefüllt wenn die Haushälterin keine Zeit hatte ein regelrechtes Mittagessen herzurichten ein Fall der ziemlich häufig eintrat pflegte sie den Mädchen ein großes Stück kalter Pastete zu geben oder eine große Schnitte Brot und Käse und diesen Proviant nahmen sie dann mit sich in den Wald hinaus wo jede von ihnen ihr Lieblingsplätzchen aufsuchte und ein königliches Mahl hielt Janes Lieblingssitz war ein breiter glatter Stein welcher weiß und trocken mitten aus dem Waldbache herausragte er war nur zu erreichen indem sie durch das Wasser watete und diese Tat vollbrachte sie denn ziemlich oft und zwar barfuß Der Stein war gerade breit genug um außer ihr noch einem anderen Mädchen bequemen Platz zu gewähren dies war Mary Ann Wilson damals Janes auserwählte Gefährtin sie war ein kluges beobachtendes Geschöpf deren Gesellschaft ihr Freude machte teilweise weil sie witzig und originell war und teilweise weil sie Manieren und Sitten hatte welche Jane besonders zusagten Um einige Jahre älter als letztere kannte sie mehr von der Welt und konnte Jane von vielen Dingen erzählen die sie gern hörte in ihrer Gesellschaft wurde Janes Neugierde befriedigt mit ihren Fehlern hatte Mary die größte Nachsicht und niemals versuchte sie Janes Worten Zwang oder Zügel anzulegen Sie besaß ein großes Erzählertalent sie liebte es zu belehren und Jane zu fragen so wurden beide prächtig mit einander fertig und zogen wenn auch nicht viel Belehrung so doch viel Vergnügen aus ihrem gegenseitigen Verkehr Und wo war inzwischen Helen Burns Weshalb brachte sie diese süßen Tage der Freiheit nicht in Janes Gesellschaft zu Hatte