sie ein Kind oder ein Teufel sei Jetzt faßte Jane erst recht Mut Mein Onkel Reed ist im Himmel sagte sie und kann alles sehen was Sie tun und sagen und mein Vater und meine Mutter auch sie wissen daß Sie mich den ganzen Tag einsperren und daß Sie nur wünschen ich wäre tot Mrs Reed war schnell wieder gefaßt sie schüttelte das Kind heftig ohrfeigte es aus allen Kräften und verließ es dann ohne eine Silbe zu sprechen Bessie füllte diese Lücke aus indem sie dem Kinde eine stundenlange Strafpredigt hielt in welcher sie ihr bewies daß sie das elendeste und pflichtvergessenste Kind sei das jemals unter einem Dache erzogen worden November Dezember und die Hälfte des Januar gingen vorüber Das Weihnachtsfest und Neujahr waren in Gateshead in der üblichen fröhlichen Weise gefeiert worden Geschenke waren nach allen Seiten hin ausgeteilt und Mittag und Abendgesellschaften gegeben Von jeder Feier und Festlichkeit war Jane natürlich ausgeschlossen ihr Anteil an diesen bestand darin daß sie täglich mit ansehen mußte wie Eliza und Georgina auf das schönste herausgeputzt in ihren zarten Musselinkleidern und rosenroten Schärpen mit sorgsam gelocktem Haar in den Salon hinabgingen und später horchte sie dann auf die Töne des Klaviers oder der Harfe die zu ihr heraufdrangen hörte wie der Kellermeister und die Diener hin und her liefen wie die Teller klapperten und die Gläser klangen während die Erfrischungen umhergereicht wurden Währenddessen saß Jane in der stillen einsamen Kinderstube wenn auch traurig so doch nicht elend Denn sie hegte nicht das leiseste Verlangen nach der Gesellschaft in der ihr niemand irgendwelche Beachtung schenkte Ja hätte Jane nur Bessie in etwas freundlicherer Stimmung bei sich gehabt so würde sie sich ganz zufrieden gefühlt haben aber sobald das Kindermädchen ihre jungen Damen angekleidet hatte pflegte sie sich in die Küche oder in das Zimmer der Haushälterin zu begeben und gewöhnlich auch noch die Lampe mit fortzunehmen Dann saß Jane da mit ihrer Puppe im Arm bis das Feuer herabgebrannt war und blickte zuweilen ängstlich umher um sich zu vergewissern daß sich nichts Schlimmes in dem düsteren Zimmer befand wenn dann nur noch ein Häufchen glühend roter Asche auf dem Roste war entkleidete sie sich hastig riß und zerrte aus allen Kräften an den Bändern und Haken ihrer Röcke und suchte in ihrem Bettchen Schutz vor der Kälte und der Dunkelheit In dieses Bettchen nahm sie auch stets ihre Puppe mit Sie konnte nicht schlafen wenn sie die Puppe nicht in die Falten ihres Nachthemdchens gehüllt hatte und wenn das Spielzeug dort sicher und warm lag fühlte sie sich glücklich weil sie glaubte daß das Püppchen ebenfalls glücklich sein müsse Wie lang schienen der armen Jane die Stunden wenn sie auf das Fortgehen der Gesellschaft wartete und auf den Widerhall von Bessies Tritten auf der Treppe horchte Zuweilen kam diese auch in der Zwischenzeit herauf um ihren Fingerhut und ihre Schere zu suchen oder ihr irgend etwas zum Abendbrot vielleicht einen Käsekuchen oder ein Milchbrot zu bringen dann pflegte sie auf der