sagen wollten küßte er Beide und reichte mir die Hand wie es seine Gewohnheit war Diana die sich gerade in sehr aufgeräumter Stimmung befand und kein Blatt vor den Mund zu nehmen pflegte rief plötzlich aus Saint John du pflegst Johanna deine dritte Schwester zu nennen du behandelst sie aber nicht als solche du solltest sie auch küssen Sie schob mich zu ihm hin Das war nach meiner Meinung sehr unüberlegt von Diana und meine Verwirrung war nicht gering Doch Saint John neigte sein Haupt brachte sein Gesicht mit dem meinigen in eine Linie sah mir mit durchdringend fragendem Blick in die Augen und küßte mich Es gibt wohl keine Marmorküsse oder Eisküsse sonst würde ich behaupten daß der Kuß meines geistlichen Vetters in eine dieser Klassen gehöre aber es kann Experimentalküsse geben und der seinige war ein solcher Als er ihn gegeben sah er mich an um die Wirkung zu beobachten ich bin gewiß daß ich nicht erröthete vielleicht wurde ich ein wenig blaß denn es war mir als sei dieser Kuß ein meinen Fesseln aufgedrücktes Siegel Er unterließ später die Ceremonie niemals und der Ernst und die Ruhe womit ich mich derselben unterzog schien ihm einen gewissen Reiz zu gewähren Ich meines Theils wünschte ihm täglich mehr zu gefallen aber um dies zu erreichen hätte ich die Hälfte meiner Natur verleugnen die Hälfte meiner Fähigkeiten unterdrücken meinen Geschmack von seiner ursprünglichen Richtung ablenken und mich zwingen müssen etwas zu treiben wozu ich keinen natürlichen Beruf hatte Doch nicht sein Uebergewicht allein hielt mich für den Augenblick in Fessel In der letzten Zeit war es mir leicht genug geworden traurig auszusehen ein zehrendes Nebel nagte an meinem Herzen und erstickte die Freude an dem mich betroffenen Glücksfalle das Nebel der Ungewißheit des Zweifels Vielleicht wird der Leser denken ich habe über den günstigen Wechselfällen meines Lebens Herrn Rochester vergessen Keinen Augenblick Das Andenken an ihn war mir stets gegenwärtig denn es war kein Nebel welchen heller Sonnenschein verjagen konnte kein Bild das in den Sand gezeichnet und von Sturmeswogen ausgelöscht werden konnte sondern es war ein Name in eine Tafel gegraben der so lange dauern sollte als der Marmor auf den er geschrieben war Das Verlangen zu wissen was aus Herrn Rochester geworden sei verfolgte mich überall Im Verlaufe meiner nothwendigen Correspondenz mit Herrn Briggs wegen des Testamentes hatte ich gefragt ob er nicht etwas von Herrn Rochester 's gegenwärtigem Aufenthalt und Gesundheitszustand wisse doch wie Saint John vermuthet hatte war Briggs mit Rochester 's Angelegenheiten völlig unbekannt Ich schrieb dann an Mistreß Fairfax und bat sie um Auskunft Ich hielt mich überzeugt daß ich eine baldige Antwort erhalten müsse umso mehr war ich erstaunt als vierzehn Tage ohne Antwort vergingen als aber gar zwei Monate vorüber waren und die Post nichts für mich brachte erfaßte mich tödtliche Angst Ich schrieb noch einmal denn mein erster Brief konnte verloren gegangen sein Aufs Neue begann ich zu hoffen doch es sollte abermals vergeblich sein keine Zeile kein Wort gelangte an