am nächsten Tage trat die Noth bleich und hager an mich heran Lange nachdem die kleinen Vögel ihre Nester verlassen hatten lange nachdem die Bienen von dem ersten lieblichen Blicke des Tages herausgelockt worden waren den Honig von dem Haidekraute zu sammeln als die langen Morgenschatten sich schon verkürzten und die Sonne Erde und Himmel erfüllte stand ich auf und blickte um mich Welch ein stiller warmer herrlicher Tag welch eine goldene Wüste dieses weite Moor Ueberall Sonnenschein O hätte ich durch ihn und von ihm leben können Ich sah eine Eidechse über den Felsen laufen sah eine Biene unter den süßen Heidelbeeren beschäftigt und wäre gern in dem Augenblicke selbst eine Biene oder Eidechse geworden um hinreichende Nahrung und schützendes Obdach hier zu finden Aber ich war ein menschliches Wesen und hatte die Bedürfnisse eines solchen und um diese befriedigen zu können durfte ich hier nicht länger weilen Hoffnungslos für die Zukunft hätte ich mir gewünscht es möchte meinem Schöpfer gefallen haben diese Nacht während ich schlief meine Seele von mir zu fordern und daß dieser müde Körper durch den Tod von weiterem Kampfe mit dem Schicksale befreit worden wäre um ungestört seinen Staub mit dem Staub dieser Wildnis vermischen zu können Doch das Leben war noch in meinem Besitz mit allen seinen Forderungen seinen Leiden und Verantwortlichkeiten Die Bürde mußte getragen das Bedürfnis befriedigt das Leiden erduldet werden Ich machte mich auf den Weg Als ich den Wegweiser wieder erreichte folgte ich der Straße die dem Laufe der Sonne welche jetzt hoch und glühend am Himmel stand entgegengesetzt war Ich ging eine lange Zeit weiter bis ich von der Ermattung fast überwältigt genöthigt war mich auf einen Stein niederzusetzen den ich in der Nähe erblickte Da hörte ich den Klang einer Glocke einer Kirchenglocke Ich wendete mich nach der Richtung des Klanges und dort zwischen den romantischen Hügeln auf welche ich seit einer Stunde nicht mehr geachtet erblickte ich ein Dörfchen und einen Kirchthurm Das ganze Thal zu meiner Rechten war mit Weiden Kornfeldern und Gehölz bedeckt und von einem schimmernden Bache im Zickzack durchflossen Menschliches Leben und menschliche Arbeit waren nahe Ich mußte mich weiter schleppen mußte versuchen zu leben und mich anstrengen wie die Uebrigen Um zwei Uhr Nachmittags erreichte ich das Dorf Am Ende der einzigen Straße war ein kleiner Laden vor dessen Fenster Brot lag Wie gern hätte ich ein Brot gehabt um meinen Hunger zu stillen und mich zu neuen Mühsalen zu stärken Ich hielt es für entehrend auf der Straße eines Dorfes vor Hunger ohnmächtig zu werden Hatte ich denn nichts bei mir was ich für eins dieser Brote anbieten konnte Ich hatte ein kleines seidenes Tuch um den Hals gebunden ich hatte meine Handschuhe Ich wußte jedoch nicht ob man einen dieser Gegenstände annehmen würde wahrscheinlich that man es nicht aber ich mußte es versuchen Ich trat in den Laden worin sich eine Frau befand Als sie eine anständig gekleidete Person eine vornehme Dame wie sie vermuthete vor sich sah kam