zu übertreten wenn dadurch kein menschliches Wesen beeinträchtigt wird Dies war die Wahrheit und während er sprach wurden Gewissen und Vernunft zu Verräthern an mir und zeigten mir den Widerstand gegen ihn als ein Verbrechen Sie sprachen fast so laut wie das Gefühl und dieses rief in mir O willige ein bedenke sein Elend bedenke seine Gefahr stelle dir seinen Zustand vor wenn er allein gelassen ist beruhige ihn rette ihn sage im daß du ihn liebst und die Seinige sein willst Wer sonst in der Welt als er kümmert sich denn um dich Aber immer blieb die Antwort Ich will das von Gott gegebene und von den Menschen geheiligte Gesetz halten Gesetze und Grundsätze sind nicht für Lebenslagen geschaffen wo man sich in keiner Versuchung befindet sie sind für solche Augenblicke da wie dieser es ist wo Leib und Seele sich gegen ihre Strenge empören bindend sind sie unverletzlich sollen sie bleiben Wenn man sie nach eigener Bequemlichkeit brechen könnte was würde ihr Werth sein Rochester las meinen Entschluß in meinem Gesichte Die Wuth übermannte ihn er mußte ihr auf einen Augenblick nachgeben was auch daraus folgen mochte er trat zu mir ergriff meine Hand und umfaßte meine Taille Er schien mich mit seinem flammenden Blicke zu verschlingen physisch fühlte ich mich in dem Augenblicke völlig machtlos geistig besaß ich noch die Herrschaft und mit ihr die Gewißheit der endlichen Rettung Zum Glück hat die Seele einen Dolmetscher oft einen unbewußten aber immer einen getreuen Dolmetscher und dieser wohnt im Auge Mein Auge erhob sich zu dem seinen und während ich in sein leidenschaftliches Gesicht blickte stieß ich einen unwillkürlichen Seufzer aus Sein Griff war schmerzlich und meine überbürdete Kraft fast erschöpft Nie sagte er indem er mit den Zähnen knirschte nie gab es etwas zugleich so Schwaches und doch so Unbeugsames Sie fühlt daß sie ein schwaches Rohr ist in meiner Hand Und er schüttelte mich gewaltsam Ich könnte sie mit meinen Fingern zerbrechen doch was würde es nützen Man sehe nur dieses Auge betrachte dieses unbeugsame wilde freie Etwas welches daraus hervorblickt und mir Trotz bietet mit mehr Muth mit triumphirender Entschlossenheit Wenn ich auch die Hülle zermalmen mag diesem Etwas kann ich nichts anhaben Das Haus könnte ich erobern aber der Bewohner würde zum Himmel entfliehen Und dich will ich besitzen du Geist mit deinem Willen und deiner Kraft deiner Tugend und Reinheit nicht allein deine zerbrechliche Gestalt Freiwillig könntest du kommen in sanftem Fluge und dich an meinem Herzen einnisten wenn du wolltest wider deinen Willen ergriffen wirst du dich meiner Hand entwinden wie zarter Blüthenduft verweht ehe wir seinen Wohlgeruch eingeathmet haben O komm Johanna komm Als er dies sagte ließ er mich aus seinen Händen los und blickte mich nur noch an Dem Blicke war weit schwerer zu widerstehen als der verzweifelten Umarmung Deshalb zog ich mich nach der Thür zurück Du gehst Johanna Ich gehe mein Herr Du verlässest mich Ja Du willst nicht meine Trösterin meine Retterin sein Meine innige Liebe