meiner abweichenden Ansicht zu wagen Er war rasch im Zimmer auf und abgegangen blieb plötzlich wie eingewurzelt vor mir stehen und sah mich lange und fest an Ich wendete meine Augen von ihm ab richtete sie auf das Feuer und suchte mir ein ruhiges gefaßtes Aeußere zu geben Jetzt haben wir den Haken in Johanna’s Charakter sagte er endlich in ruhigerem Thone als ich nach seinen Blicken erwartet hatte Der Seidenhaspel hat sich bis dahin leicht und glatt gedreht doch ich wußte im voraus daß ein Knoten kommen würde und da haben wir ihn nun Jetzt kommt Aufregung und Erbitterung und endloser Kummer Bei Gott es verlangt mich Simsons Stärke anzuwenden und die Fesseln wie Werg zu zerreißen Er setzte seinen Gang fort blieb aber bald wieder vor mir stehen Johanna willst du auf vernünftige Gründe hören fragte er während er sich niederbeugte und seinen Mund meinem Ohr nahe brachte wenn du es nicht willst muß ich Gewalt anwenden Seine Stimme war heiser sein Blick der eines Mannes der im Begriff ist eine unerträgliche Fessel zu sprengen Ich sah daß ich im nächsten Augenblicke wenn sich seine Wuth noch mehr steigerte nichts mehr mit ihm würde anfangen können eine Geberde der Zurückweisung des Abscheus oder der Furcht hätte mein Geschick und das seinige besiegelt Aber ich fürchtete mich nicht nicht im Geringsten Ich fühlte eine innere Kraft ich hatte das Bewußtsein der Herrschaft über ihn was mich aufrecht hielt Ich faßte seine geballte Hand löste die krampfhaft zusammengezogenen Finger und sagte besänftigend Setzen Sie sich nieder ich will so lange mit Ihnen sprechen wie Sie wollen und Alles anhören was Sie mir zu sagen haben sei es nun vernünftig oder unvernünftig Er setzte sich doch konnte er noch nicht sogleich reden Ich hatte schon lange mit den Thränen gekämpft da ich wußte daß er mich nicht gerne weinen sah Jetzt aber ließ ich ihnen freien Lauf Wenn ihm die Thränenflut lästig war umso besser Als er mich lebhaft bat ich möge mich fassen gab ich zur Antwort ich könne es nicht so lange er sich einer solchen Leidenschaft überlasse Aber ich bin ja nicht zornig meine Johanna du hattest dein kleines bleiches Gesicht mit einem so entschlossenen und eisigen Blicke gestählt daß ich es nicht ertragen konnte Sei jetzt still und trockne deine Augen Seine besänftigte Stimme zeigte daß er überwunden war da wurde auch ich ruhig Jetzt machte er den Versuch seinen Kopf an meine Schulter zu lehnen aber ich wollte es ihm nicht gestatten Johanna Johanna sagte er im Tone so bitterer Traurigkeit daß es durch alle meine Nerven bebte so liebst du mich also nicht So war es also nur mein Stand und Rang was du schätzest Jetzt da du mich für unfähig hältst dich zu meiner Gattin zu machen weichst du vor meiner Berührung zurück als wäre ich eine giftige Kröte Diese Worte schnitten mir ins Herz Vielleicht hätte ich nichts sagen sollen doch wurde ich so gequält von der Reue seine Gefühle verletzt zu haben