sich mit vornehmer Nachlässigkeit auf ein Sopha und versuchte sich die langsam hinschleichen den Stunden mit Lectüre zu vertreiben Der Tag neigte sich zur Dämmerung und die Uhr hatte bereits das Zeichen gegeben daß es Zeit sei sich zur Tafel anzukleiden als die kleine Adele die neben mir im Fenster des Gesellschaftszimmers kniete ausrief Da kommt Herr Rochester zurück Miß Ingram fuhr von ihrem Sopha empor Auch die Anderen blickten von ihren Beschäftigungen auf denn zu gleicher Zeit wurde das Rollen von Wagenrädern und der Hufschlag von Pferden hörbar Eine Postchaise kam angefahren Was mag ihm einfallen daß er mit Postgelegenheit nach Hause kommt bemerkte Miß Ingram Er ritt Mesour als er abreiste nicht wahr Und Pilot war bei ihm wo mag er die Thiere ge lassen haben Während sie dies sagte trat sie so dicht an das Fenster heran daß ich mich vor ihrer großen Gestalt und ihren bauschigen Kleidern weit zurücklehnen mußte und mir fast das Rückgrat gebrochen hätte Bei ihrer Lebhaftigkeit bemerkte sie mich Anfangs nicht als dies aber geschah verzog sie ihre Lippe und ging zu dem anderen Fenster Die Postchaise hielt an und ein Herr in Reisekleidern stieg aus Aber es war nicht Herr Rochester es war ein großer vornehm aus sehender Fremder Du widerwärtiger Affe rief Miß Ingram Adelen zu Wer stellte dich auf 's Fenster um falschen Alarm zu machen Dabei warf sie mir einen zornigen Blick zu als wäre ich die Schuldige gewesen Man hörte im Vorsaale reden und bald darauf trat der Fremde ein Er verneigte sich gegen Lady Ingram da er sie für die älteste der anwesenden Damen hielt Es scheint ich komme zu ungelegener Zeit Ma dame sagte er da wie ich hörte mein Freund H err Rochester nicht zu Hause ist aber ich komme von ei ner sehr weiten Reise und denke bei meiner alten und vertrauten Bekanntschaft mit ihm darf ich es schon wagen mich hier einzuführen bis er zurückkehrt Sein Benehmen war fein sein Accent schien mir etwas ungewöhnlich wenn auch nicht der eines Ausländers er mochte etwa mit Herrn Rochester in geichem Alter sein zwischen dreißig und vierzig Seine Gesichtsfarbe war auffallend blaß sonst war er besonders auf den ersten Blick ein schöner Mann Bei genauerem Zusehen entdeckte man etwas in seinem Gesichte was nicht besonders angenehm war Seine Züge waren regelmäßig aber zu aus druckslos sein Auge war groß und wohlgebildet aber leer und man hätte fast darin lesen mögen daß er ein Leben ohne Zweck und Bedeutung geführt hatte Als zum Ankleiden geklingelt wurde zerstreute sich die Gesellscaft und ich sah ihn erst nach der Tafel wieder Jetzt schien er ganz unbefangen zu sein aber seine Physiognomie gefiel mir noch weniger als vorher Es war keine Kraft in jenem glatten ovalen Gesicht keine Festigkeit in jener Adlernase und in jenem kleinen Kirschenmunde es lag kein Nachdenken auf der niedrigen ebenen Stirn keine Willenskraft in jenem leeren braunen Auge Als ich in meinem gewöhnlichen Winkel saß und ihn bei dem Lichte der auf dem