hielt meine Hand noch immer fest und ich konnte sie ihm nicht entziehen Da fiel mir ein Auskunftsmittel ein Ich glaube ich höre Mistreß Fairfax mein Herr sagte ich Nun so gehen Sie sagte er ließ meine Hand los und ich eilte fort Ich erreichte mein Lager wieder dachte aber nicht daran einzuschlafen Bis der Morgen dämmerte warf meine Gedankenwelt mich auf einer hohen und unruhigen See umher wo Wogen des Aufruhrs neben Wogen der Freude rollten Zuweilen glaubte ich jenseits des wilden Wassers eine liebliche Küste zu erblicken und von Zeit zu Zeit trug ein erfrischender Wind von der Hoffnung erweckt meinen Geist triumphirend zu jenem Ziele hin Aber ich konnte es nicht erreichen ein ungünstiger Gegenwind wehte mir vom Lande entgegen und trieb mich unaufhörlich zurück Der Verstand widersetzte sich der Einbildung die Vernunft warnte die Leidenschaft Zu fieberhaft aufgeregt um zu ruhen stand ich auf sobald der Tag graute Sechzehntes Capitel Ich hoffte und fürchtete zugleich Herrn Rochester an dem Tage zu sehen der auf diese schreckliche Nacht folgte ich hätte gern seine Stimme gehört doch scheute ich mich seinem Auge zu begegnen Während der ersten Stunden des Morgens erwartete ich jeden Augenblick seinen Eintritt Er kam nicht häufig in das Schulzimmer doch erschien er zuweilen auf einige Minuten und es war mir als müsse er an diesem Tage auch kommen Aber er ließ sich nicht sehen Bald nach dem Frühstück hörte ich in der Nähe von Herrn Rochester's Thür sprechen Ich unterschied die Stimmen der Mistreß Fairfax Leas Johns und der Köchin welche John 's Frau war Ich vernahm folgende laute Be merkungen Welch ein Glück daß der Herr nicht in seinem Bett verbrannt ist Es ist stets gefährlich in der Nacht ein Licht brennen zu lassen Welch eine glückliche Fügung der Vorsehung daß er Geistesgegenwart genug hatte um an den Wasserkrug zu denken Es wundert mich daß er Niemand geweckt hat Hoffentlich wird er sich nicht auf dem Sopha in der Bibliothek erkälten Auf dieses Gespräch folgte ein Geräusch welches durch Scheuern und Wegrücken des Bettes hervorgebracht wurde Als ich später an dem Zimmer vorüberkam und zum Mittagessen gehen wollte sah ich durch die offene Thür daß die Ordnung vollständig wieder hergestellt war nur das Bett war seiner Vorhänge beraubt Lea stand in der Fenster vertiefung und rieb die vom Rauche getrübten Fenster scheiben ab aber als ich weiter ging erblickte ich noch eine zweite Person in dem Gemache welche neben dem Bette auf einem Stuhle saß und Ringe an neue Vorhänge nähte Diese war keine andere als Gratia Poole Dort saß sie ruhig und schweigend wie gewöhn lich in ihrem Kleide von braunem Wollenzeug ihrer würfelten Schürze in weißer Haube und weißem Tuche Sie schien so sehr mit ihrer Arbeit beschäftigt als ob dieselbe alle ihre Gedanken in An spruch nehme Auf ihrer harten Stirn und in ihren gewöhnlichen Zügen war nichts von den Ereignissen dieser Nacht zu lesen nichts von der Niedergeschlagenheit Reue oder Verbissenheit eines Weibes welches erst vor wenigen Stunden einen