schon ein Weilchen in einer Ecke während die Damen und Herren noch in fröhlichem Geplauder im Speisezimmer weilten Plötzlich wurde die schwere Portiere zurückgezogen das Innere des Eßzimmers wurde sichtbar Im hellen Schimmer der Kronleuchter sah ich auf einen Augenblick die blendende von silbernem Gerät funkelnde Tafel dann trat eine Gruppe von Damen in den Salon Es waren ihrer acht in weißen Toiletten Sie zerstreuten sich im Zimmer und lachten und schwatzten laut durcheinander Ich stand ein paarmal auf und verneigte mich vor den Eintretenden sie nahmen aber fast gar keine Notiz von mir Einige warfen sich auf die Polstersessel einige neigten sich über die Blumen oder blätterten in Büchern die andern setzten sich um den Kamin Erst später lernte ich ihre Namen kennen Frau Eshton war eine ältliche doch noch schöne Dame sie hatte zwei Töchter Amy und Luise die erstere war klein und fast kindlich von Wesen doch im Aeußern schon sehr entwickelt die zweite war groß und elegant Dann war da Lady Lynn eine große korpulente Person mit Diamanten im dunklen Haar beispiellos hochmütig Weniger auffallend war Frau Oberst Denn aber mir erschien sie eben darum vornehmer ihr schlichtes Atlaskleid gefiel mir besser als alle Diademe der stolzen Adeligen Die drei hervorragendsten Damen aber waren Lady Ingram und ihre beiden Töchter Mary und Blanche Die Mutter mochte fünfzig Jahre alt sein imponierte aber noch immer durch ihre gut erhaltene Erscheinung auch ihr Gesicht trug den Stempel eines übergroßen Dünkels Die beiden Töchter waren groß und schlank Mary ein wenig zu hager Blanche aber war eine königliche Gestalt Sie hatte prachtvolle Schultern einen graziösen Hals eine volle Brust reiches dunkles Haar und große dunkle Augen Sie hatte den etwas gelblichen Teint einer Südländerin bei einer Britin eine große Seltenheit Aber ihre Schönheit hatte nichts Erwärmendes sie ließ den Beschauer kalt und eine innere Stimme sagte mir bei ihrem Anblick sogleich Herr Rochester könne diese Dame nicht lieben Wenn er sie heiratete so würde es nur aus Standesrücksichten oder aus andern konventionellen Gründen geschehen der Stimme seines Herzens folge er nicht dabei Als die Damen eingetreten waren erhob sich Adele trat vor sie in machte einen Knicks und sagte mit ihrer zierlichen Stimme Guten Abend meine Damen Ach was für ein niedliches Püppchen r rief Fräulein Blanche Vermutlich Herrn Rochesters Mündel sagte Lady Lynn und musterte sie von oben herab Frau Oberst Denn nahm sie bei der Hand und rief Ein reizendes Kind Die Damen nahmen sie schließlich in die Mitte und sie wanderte nun von Hand zu Hand Dann traten die Herren ein Die beiden Brüder Henry und Frederick Lynn waren sehr elegante junge Stuter Oberst Denn war eine echt militärische Erscheinung Herr Eshton ein Magistratsbeamter sah sehr vornehm aus denn er hatte schneeweißes Haar und einen noch ganz schwarzen Schnurrbart Lord Ingram war ebenso groß doch nicht so schön wie seine Schwestern er machte einen etwas beschränkten Eindruck Nun sah ich auch Herrn Rochester wieder und so sehr ich mich auch bemühte ihn ganz ruhig anzusehen ich