gewesen es zu ertragen Wir müssen alles dulden was das Schicksal über uns verhängt Ich hörte mit Erstaunen diese Worte und begriff die Duldsamkeit nicht mit der sie von ihrer Peinigerin sprach Du sagst du hättest Fehler fragte ich weiter Nenne sie mir Ich finde doch du bist ein sehr gutes Mädchen Ich bin unordentlich darin hat Fräulein Scatcherd ganz recht Ich bin auch unaufmerksam und kann mich an planmäßiges Arbeiten nicht gewöhnen Darüber ärgert sich Fräulein Scatcherd denn sie ist sehr peinlich und gewissenhaft Und sehr ungerecht und grausam fügte ich hinzu doch Helen wollie das nicht gelten lassen und schüttelte den Kopf Ist Fräulein Temple ebenso böse zu dir fragte ich weiter Als ich von Fräulein Temple sprach huschte etwas wie ein Lächeln über Helens Antlis Fräulein Temple ist lieb und gut antwortete sie Sie ist selbst gegen die schlechteste Schülerin nur ungern streng Sie sieht wohl meine Fehler aber sie belehrt mich mit Sanftmut darüber Wenn Fräulein Scatcherd unterrichtet kann ich nicht folgen meine Gedanken schweifen ab ich träume von meiner Heimat und es war bloßer Zufall daß ich heute richtige Antworten geben konnte Aber wenn Fräulein Temple unterrichtet dann bin ich ganz bei der Sache Doch genug von mir Erzähle mir ein wenig von dir Fas ließ lch mir nicht zweimal sagen und schüttete ihr nun mein Herz aus Helen hörte geduldig zu Ich erwartete eine Bemerkung von ihr als ich zu Ende gekommen war und ihr alles von Frau Reed von Hans Reed von meinen Qualen in Gateshead-Hall erzählt hatte Allein Helen schwieg Nun fragte ich war Frau Reed nicht böse und grausam Sie hat es wohl an Güte fehlen lassen antwortete meine neue Freundin Aber jedenfalls hat sie an deinem Charakter ebenso heftigen Anstoß genommen wie Fräulein Scatcherd an dem meinen nimmt Wir haben alle Fehler und müssen bestrebt sein sie zu erkennen und abzulegen Und außerdem gebietet uns unser christlicher Glaube keinen Gedanken an Rache zu hegen sondern unsere Feinde zu lieben und die zu segnen die uns beleidigen und verfolgen Dann also müßte ich Frau Reed lieben Das ist unmöglich rief ich aus Die Stimme einer Mitschülerin unterbrach unser Gespräch Helen Burns wenn du nicht augenblicklich hinaufgehst und in deinem Spind Ordnung machst rufe ich Fräulein Scatcherd daß sie sich die Sache mal ansieht Helen seufzte und gehorchte unverweilt der Aufforderung In dieser Weise verfloß nun ein Vierteljahr in Lowood Ein Tag glich dem anderen und keine Abwechslung kam in das ewige Einerlei unseres Lebens Der Winter war bitter und hart und da die Feuerung uns überaus karg zugemessen wurde litten wir furchtbar unter dem Frost Auch unsere Kleidung war nicht warm genug die Halbschuhe füllten sich mit Schnee und wir hatten fast immer nasse Füße Die Kargheit der Mahlzeiten fügte zu den Schmerzen der Kälte noch die des Hungers hinzu und also ungenügend ernährt waren wir nicht widerstandsfähig genug diese Unbilden ohne Schaden für unsere Gesundheit zu überstehen Besonders schlecht erging es uns kleineren Mädchen denn wenn die Großen gar zu