hatte nicht gedacht daß ein Frauenzimmer es wagen würde so mit einem Manne zu sprechen Was mich betrifft so fühlte ich mich bei dieser Art Unterredung zu Hause Ich konnte nie mit starken besonnenen und gebildeten Menschen mochten sie dem männlichen oder weiblichen Geschlechte angehören dauernd verkehren bis ich durch die Außenwerke der conventionellen Zurückhaltung gedrungen war die Schwelle des Vertrauens überschritten und am Heiligthum ihres Herzens einen Platz gewonnen hatte Sie sind originell ’ sagte er und nicht furchtsam Es ist etwas Tapferes in Ihrem Geiste und etwas Durchdringendes in Ihrem Auge aber erlauben Sie mir Ihnen zu sagen daß Sie meine Gemüthsbewegungen zum Theil mißdeuten Sie halten dieselben für tiefer und mächtiger als sie in Wahrheit sind Sie schreiben mir eine größere Dosis Sympathie zu als ich gerechter Weise beanspruchen darf Wenn mein Gesicht sich färbt und wenn ich vor Miß Oliver zittere so bemitleide ich mich nicht Ich verachte die Schwäche Ich weiß sie ist unedel ein bloßes Fieber des Fleisches kein Seelenkrampf ich erkläre es Meine Seele ist so fest wie ein Felsen der in der Tiefe einer unruhigen See unerschütterlich da steht Erkennen Sie in mir was ich wirklich bin einen kalten harten Mann.’ Ich lächelte ungläubig Sie haben mein Vertrauen im Sturm genommen ’ fuhr er fort und nun steht es Ihnen zu Diensten Ich bin ganz einfach in meinem natürlichen Zustand entblößt von jenem blutgebleichten Gewande womit das Christenthum menschliche Häßlichkeit bedeckt ein kalter harter ehrgeiziger Mann Nur die natürliche Neigung hat von allen Gefühlen eine dauernde Gewalt über mich Die Vernunft und nicht das Gefühl ist mein Führer mein Ehrgeiz ist unbegrenzt mein Wunsch höher zu steigen mehr als Andere zu thun unersättlich Ich ehre die Geduld die Ausdauer den Fleiß das Talent weil dieß die Mittel sind wodurch die Menschen große Endzwecke erreichen und zu hehrer Stellung gelangen Ich beobachte Ihre Laufbahn mit Interesse weil ich Sie als ein Muster von einem fleißigen ordnungsliebenden energischen Weibe ansehe nicht weil ich tiefes Mitleid fühle für das was Sie durchgemacht oder was Sie noch leiden.’ Sie möchten sich als einen bloßen heidnischen Philosophen hinstellen ’ sagte ich ‘Nein Zwischen mir und den deistischen Philosophen ist der Unterschied Ich glaube und glaube an das Evangelium Sie haben sich in dem Beiworte geirrt ich bin kein heidnischer sondern ein christlicher Philosoph ein Jünger von der Sekte Jesu Als sein Jünger nehme ich seine reine gnadenvolle wohlthätige Lehre an Ich predige sie und muß sie vermöge meines Eides ausbreiten Schon in meiner frühesten Jugend für die Religion gewonnen hat sie meine ursprünglichen Anlagen also ausgebildet aus dem kleinen unbemerkbaren Keime der natürlichen Neigung — hat sie den überschattenden Baum Philanthropie genannt entwickelt Aus der wilden zaserigen Wurzea menschlicher Rechtschaffenheit hat sie einen rechten Sinn für die göttliche Gerechtigkeit groß gezogen Aus dem Ehrgeiz Macht und Ruhm für mein elendes Ich zu erlangen hat sie den Ehrgeiz gebildet meines Herrn Reich auszubreiten für die Fahne des Kreuzes Siege zu bereiten So viel hat die Religion bei mir