Meine Ruhe hätte angenehm genug sein können hätte sie nicht ein trauriges Herz unterbrochen Dieses klagte über seine klaffenden Wunden sein inneres Bluten seine zerrissenen Saiten Es zitterte für Rochester und sein Loos es beklagte ihn mit bitterem Mitleid es sehnte sich nach ihm mit unabläßigem Verlangen und unmächtig wie ein Vogel dessen beide Flügel gebrochen schlug es immer noch seine beschädigten Schwingen krampfhaft hin und her in dem eiteln Bemühen ihn zu suchen Erschöpft von dieser Gedankenqual erhob ich mich auf die Knie Die Nacht war da und ihre Planeten ausgegangen eine sichere ruhige Nacht zu heiter für die Gesellschaft der Furcht Wir wissen Gott ist überall allein gewiß fühlen wir seine Gegenwart am Meisten wenn seine Werke im größten Maßstabe vor uns liegen und am unbewölkten Nachthimmel wo seine Welten ihre stillen Bahnen durchlaufen lesen wir am Deutlichsten seine Unendlichkeit seine Allmacht seine Allgegenwart Ich hatte mich auf die Knie geworfen um für Herrn Rochester zu beten Als ich aufblickte sah ich mit Thränen benetzten Augen die gewaltige Milchstraße Es fiel mir ein was sie sei welch’ zahllose Sonnensysteme dort im Raume dahin schwebten wie eine sanfte Lichtspur und ich fühlte die Macht und Stärke Gottes Ich war überzeugt von seiner Macht das zu erhalten was er gemacht ich gewann die Überzeugung daß weder die Erde untergehen würde noch irgend eine der Seelen darauf Mein Gebet wurde zu einem Dankgebet die Quelle des Lebens war auch der Retter der Geister Herr Rochester war gerettet er gehörte Gott und Gott mußte ihn schützen Ich legte mich wieder an den Busen des Hügels und vergaß im Schlafe bald den Kummer Aber am nächsten Tage stellte sich der Hunger ein blaß und entblöst Lange nachdem die Vögelchen ihre Nester verlassen hatten lange nachdem die Bienen in den lieblichen Frühstunden des Tages gekommen waren um den Haidehonig zu sammeln ehe noch der Thau getrocknet war als die langen Morgenschatten schon kürzer wurden und die Sonne Erde und Himmel erfüllte — and ich auf und sah um mich her Welch ein stiller heiter prächtiger Tag Welch goldene Wüste dieses weite Moor Allenthalben Sonnenschein Ich wünschte darin und darauf leben zu können Ich sah eine Eidechse über den Felsen laufen ich sah eine geschäftige Biene unter den süßen Heidelbeeren Gern wäre ich in diesem Augenblick eine Biene oder Eidechse geworden damit ich da eine passende Nahrung und dauernden Schutz hätte finden mögen Aber ich war ein menschliches Wesen und hatte die Bedürfnisse eines solchen ich durfte da nicht verweilen wo Nichts war um dieselben zu befriedigen Ich stand auf ich sah zurück auf das Bett das ich verlassen hatte Ohne Hoffnung für die Zukunft wünschte ich nur das Eine daß es meinem Schöpfer in jener Nacht gefallen hätte während meines Schlafes meine Seele von mir zu fordern und daß dieser müde Körper durch den Tod von weiteren Kämpfen mit dem Schicksale befreit jetzt nur noch sich ruhig aufzulösen und sich in Frieden mit dem Boden dieser Wildniß zu vermischen brauchte Aber das Leben war