Pflicht Dir zu zeigen daß Ränke hier nicht verfangen und nur dann wenn Du Dich ganz unterwirfst und Dich ruhig verhältst werde ich Dich in Freiheit setzen.’ ‚O Tante haben Sie doch Mitleid vergeben Sie mir Ich kann es nicht aushalten —bestrafen Sie mich auf irgend eine andere Art Ich komme um wenn —‘ Stille Stille Diese Heftigkeit ist ja höchst empörend ’ und so kam es ihr auch ohne Zweifel vor In ihren Augen war ich eine frühreife Schauspielerin in allem Ernste sah sie mich als eine Vereinigung der heftigsten Leidenschaften eines niedrigen Geistes und gefährlicher Falschheit an Nachdem Bessie und die Abbot sich zurückgezogen hatten stieß Mistreß Reed die meine wahnsinnige Angst und mein heftiges Schluchzen nicht länger ertragen mochte mich rasch wieder in das Zimmer zurück und schloß mich ein ohne etwas Weiteres zu sagen Ich hörte sie dahinrauschen und bald nachdem sie fortgegangen fiel ich wie ich glaube in eine Ohnmacht Bewußtlosigkeit war die Schlußscene Drittes Kapitel Das Erste woran ich mich nun erinnere ist daß ich mit einem Gefühle aufwachte als hätte ich ein furchtbares Alpdrücken gehabt und daß ich einen schrecklichen rothen Schein vor mir sah durch den dicke schwarze Stangen liefen Auch hörte ich Stimmen die in hohlem Tone sprachen gleich als würden dieselben durch das Rauschen des Windes oder des Wassers gedämpft die Aufregung die Ungewißheit und ein Alles beherrschendes Gefühl des Schreckens verwirrte meine Sinne Es stand nicht lange an so wurde ich gewahr daß Jemand mich anrührte mich in die Höhe hob und mich in einer sitzenden Stellung erhielt und zwar sanfter als ich je zuvor aufgerichtet oder gehalten worden war Mein Kopf ruhte auf einem Kissen oder auf einem Arme und ich fühlte mich ganz behaglich Nach weiteren fünf Minuten schwand die Wolke der Verwirrung ich wußte ganz wohl daß ich in meinem Bette lag und daß der rothe Schein das Feuer in der Kinderstube war Es war Nacht ein Licht brannte auf dem Tische Bessie stand an dem Fußende des Bettes mit einem Becken in der Hand und ein Herr saß auf einem Stuhle neben meinem Kopfkissen und beugte sich über mich hin Ich verspürte eine unaussprechliche Erleichterung eine wohlthuende Überzeugung des Schutzes und der Sicherheit als ich sah daß sich ein Fremder in dem Zimmer befand ein Mann der nicht zu Gateshead gehörte und nicht mit Mistreß Reed verwandt war Mich von Bessie wegwendend — obgleich ihre Gegenwart mir bei Weitem nicht so lästig war als z B die der Abbot gewesen sein würde — warf ich prüfende Blicke auf das Gesicht des Herrn Ich kannte ihn es war Herr Lloyd ein Apotheker den Mistreß Reed bisweilen kommen ließ wenn einem von der Dienerschaft etwas fehlte für sich und ihre Kinder aber gebrauchte sie stets einen Arzt Nun wer bin ich ’ fragte er Ich nannte ihn bei seinem Namen und streckte ihm zu gleicher Zeit meine Hand hin er nahm sie lächelnd und sagte ‚Es wird bald besser mit uns werden.’ Dann legte er mich auf