andren Gestalt und ich bemerkte dies namentlich an der ehrerbietigen Haltung welche die alte Hannah vielleicht wider ihren Willen annahm als ich unvermuthet in die Küche trat Sie war indessen so indiscret auf den Zustand anzuspielen in welchem ich ihr zum ersten Male erschienen war und obgleich sie das Wort „Bettlerin“ ausgesprochen hatte ohne an etwas Böses dabei zu denken so wollte ich ihr dennoch diese Freiheit nicht ungerügt hingehen lassen Ich bin eben so wenig eine Bettlerin als Sie und Ihre Gebieterinnen entgegnete ich ihr in nachdrücklichem Tone Sie haben aber doch weder eine Wohnung noch Geld Man braucht kein Haus und kein Geld zu haben ohne deshalb eine Bettlerin zu sein Ich sagte ihr dann offen meine Meinung über die Härte mit der sie mir bei einem entsetzlichen Wetter mitten in der Nacht das verweigert hatte was man selbst einem verirrten Hunde gewährt Sie sah endlich ihr Unrecht ein entschuldigte sich nach besten Kräften und bat mich um Verzeihung die ich ihr auch gern bewilligte Mittlerweile trat ihre junge Herrschaft ein und sagte mir sie werde es nie dulden daß ich mich in der Küche aufhielte Sie führten mich in das Wohnzimmer wo mich Saint-John als Oberhaupt der Familie von Neuem fragte wer ich sei Diesmal sprach ich mich ohne Rückhalt aus Ich gestand ihm daß Jane Elleot nicht mein wirklicher Name sei daß ich aber triftige Gründe hätte diesen zu verschweigen und daß mich eben diese Gründe auch hinderten ihm das Haus zu nennen in welchem ich zuletzt als Gouvernante gewesen war Ich gab ihm jedoch einen kurzen Abriß meiner Jugendgeschichte und setzte hinzu daß keineswegs irgend ein Fehler oder Vergehen dessen ich mich schämen müßte mich in die Nochwendigkeit versetzt habe fremde Unterstützung in Anspruch zu nehmen Wie es scheint sprach ich beredt und überzeugend liebe Freundin denn Mr Saint-John der mich mit der ganzen Strenge eines Richters und mit der argwöhnischen Aufmerksamkeit eines Geistlichen anhörte nahm mich zuletzt für das wofür ich wich ausgab und versprach mich auf meine wiederholten Bitten mir zur Auffindung eines Erwerbszweiges behilfrich zu sein Vor der Hand sage die liebenswürdige Diana Rivers dürfen Sie uns jedoch nicht verlassen Meine Schwester und ich sind Beide Gouvernanten wie Sie es noch vor wenigen Tagen waren und wir bleiben nur einige Wochen hier in Folge des Todes unseres Vaters Nach Ablauf dieser Zeit muß unser Bruder Saint-John nach Morton zurückkehren wohin ihn seine Pflichten als Pfarrer rufen Bis dahin wird er sich wie Sie gehört haben nach Kräften bemühen Ihnen eine Stelle zu verschaffen Vergessen Sie also für kurze Seit alte Ihre Sorgen und gestatten Sie uns zu glauben daß unsre Wohlthaten wie Sie sie nennen in keiner Hinsicht druckend erscheinen werden Ich war so ergriffen daß ich auf diese kochherzigen Worte nur mit Thränen antworten konnte Ueberdies ließ mir auch Saint-John nicht Zeit dazu Sie sehen sagte er zu mir daß es meinen Schwestern Vergnügen macht Sie bei sich zu behalten es ist das nämliche Vergnügen welches sie empfinden würden einen armen