mich Sind Sie vielleicht Miß Eyre ’ Allerdings.’ ‘Es ist Jemand hier der Sie erwartet.’ Dieser Jemand war der Kutscher eines einspännigen Wagens den ich hatte im Hofe stehen sehen ohne zu ahnen daß er für mich bestimmt war Ohne große Umstände bemächtigte er sich meines Koffers ließ mich in den Wagen steigen und antwortete mir kaum als ich ihn fragte ob Thornfield weit sei ‘Ohngefähr sechs Meilen in höchstens anderthalber Stunde sind wir dort.’ Dieser Anfang stimmte meine erste Meinung über Mistreß Fairfax ein wenig herab Die reiche Witwe die ich mir vorgestellt hatte sollte einen höflichern Kutscher und einen elegantern Wagen haben Ich hatte mich indeß bald mit dem Gedanken vertraut gemacht bei einer einfachen Bürgersfrau und einem kleinen Mädchen zu leben die ich im Geiste mit allen Reizen kindlicher Anmuth und Liebenswürdigkeit schmückte Fast genau in der voraus bestimmten Zeit kamen wir bei dichtem Nebel vor einem Hofthore an welches der Kutscher öffnete und das sich hinter uns mich Geräusch wieder schloß Dann hielt der Wagen am Fuße eines Perrons vor einem ziemlich großen Hause das völlig dunkel war mit Ausnahme eines einzigen vorspringenden Fensters hinter welchem eine Lampe brannte Ein Dienstmädchen öffnete und ließ mich aussteigen Dann führte sie mich durch eine Vorhalle auf welche sich vier große Thüren öffneten in einen kleinen Salon der von einem behaglichen Feuer und mehren Lichtern hell erleuchtet wurde Hier saß an einem runden Tische in einem großen Lehnstuhle von altmodischer Form Mistreß Fairfax fast ganz dem Bilde entsprechend das ich mir von ihr entworfen hatte sie war eine kleine alte Frau von außerordentlicher Sauberkeit trug eine Witwenhaube ein schwarzseidnes Kleid und eine weiße Musselinschürze Zu ihren Füßen schlief eine große Katze und sie strickte mit lobenswerthem Fleiße mit Einem Worte es konnte mich nichts schneller und besser beruhigen als das friedliche und wohlthuende Bild dieser ächt englischen Häuslichkeit Ich fühlte mich daher fast sogleich heimisch und als ich den Thee angenommen hatte den meine neue Gebieterin mir mit größerer Artigkeit anbot als ich gehofft hätte fragte ich sie ganz unbefangen Werde ich noch diesen Abend das Vergnügen haben Miß Fairfax zu sehen ’ Wie sagen Sie meine Liebe ’ versetzte die gute Dame Ich höre ein wenig schwer.’ Ich wiederholte meine Frage mit lauterer Stimme Miß Fairfax Ah so Sie meinen Miß Varens So heißt Ihr künftiger Zögling.’ Sie ist also nicht Ihre Tochter fragte ich etwas verwundert ‘Nein ich habe keine Kinder.’ Die Sache war ganz geeignet meine Neugier rege zu machen aber ich bedachte noch zur rechten Zeit daß jetzt nicht der passende Augenblick sei näher auf ein Verhältniß einzugehen über das ich früher oder später Aufschluß erhalten mußte und das Gespräch nahm daher eine weniger interessante Wendung Mistreß Fairfax ließ mir sehr deutlich bemerken daß meine Ankunft ihr außerordentlich angenehm war besonders wegen der Langeweile und der Furcht die ihr der Aufenthalt in einem einsamen Schlosse verursachte wo sie keine andere Gesellschaft hatte als eine einzige Dienerin die nämliche welche mir die Thür geöffnet hatte im