Schläfe so daß ich mich in eine entlegene Einsamkeit in ein ländliches Thal an die Seite meiner Jane versetzt glauben konnte Während dieser Zeit schliefst Du ohne Zweifel aber ich möchte fast mit Gewißheit behaupten Deine Seele schwebte ihrer sterblichen Hülle entledigt in den Lüften und suchte die meinige um sie zu trösten denn jene Stimme war Deine Stimme so wahr als ich lebe ich habe sie erkannt Urtheilen Sie selbst verehrte Freundin mit welchem Erstaunen ich diese Erzählung Rochesters anhörte denn es war wirklich am Montag Abend gegen Mitternacht als auch ich den geheimnißvollen Ruf vernommen und es waren genau die Werte mit denen ich ihn erwidert hatte Ich unterließ jedoch Rochester dieses wunderbare Zusammentreffen mitzutheilen da ich fürchtete es könnte einen zu heftigen Eindruck auf ihn machen denn ein vom Unglück niedergebeugtes Herz muß man mit Allem verschonen was einem natürlichen Hange zu überspannter Leichtgläubigkeit Nahrung geben kann Allein ich bewahrte die Erinnerung an dieses Wunder in meinem Herzen um mit Muße darüber nachzudenken Nach einem kurzen halb laut gesprochenen Gebete zu Gott streckte Rochester die Hand aus und bedeutete mir so daß er geführt sein wollte Ich nahm diese theure Hand und drückte meine Lippen darauf ehe ich sie um meinen Nacken und auf meine Schultern legte So diente ich ihm zugleich als Stütze und als Führerin Schweigend kehrten wir nach Ferndean-Manor zur Ich brauche Ihnen nicht zu sagen denn Sie wissen es bereits daß ich Rochesters Gattin wurde Unsere Trauung fand ohne andere Zeugen als den Priester und seinen Gehilfen statt Als wir aus der Kirche zurückkamen ging ich in die Küche wo John und Mary mit den Anstalten zum Mittagsmahle beschäftigt waren Meine Lieben sagte ich zu ihnen Mr Rochester und ich haben uns so eben ehelich verbunden Hier ist unser Hochzeitsgeschenk Mit diesen Worten legte ich eine Fünfpfundnote auf den Tisch Sie warfen kaum einen Blick darauf Ist es möglich Miß erwiderte Mary nun das freut mich herzlich Ich sah Sie wohl mit dem Herrn weggehen aber so etwas ahnete ich nicht Und ich sagte John mit einem Lächeln sich habe es mir gedacht daß Mr Edward dies im Sinne hatte und ich glaube er hat wohl daran gethan Während er dies sägte nahm er nicht seine Mütze ab denn er war in bloßem Kopfe aber er machte mir eine ehrerbietige Verbeugung Ich schrieb nun sogleich nach Marsh-End und nach Cambridge um das Geschehene zu berichten und es unter dem wahren Gesichtspunkte darzustellen Diana und Mary antworteten mir umgehend und ihre Briefe drückten ihre beifällige Zustimmung aus Wie Saint-John die Nachricht uns meiner Verbindung aufnahm weiß ich nicht denn er beantwortete meinen Brief nicht Erst nach sechs Monaten schrieb er mir aber ohne Rochesters oder meines neuen Verhältnisses mit einer Sylbe zu erwähnen Das Schreiben war ernst gehalten doch Alles erwogen sprach sich eine ziemlich lebhafte Zuneigung darin aus Wir haben seitdem regelmäßig obwohl nicht häufig mit einander correspondirt Eine meiner ersten Sorgen nach meiner Vermählung war daß ich Adela in der Pensionsanstalt besuchte