mich aufgefordert hatte uns an den Tisch zu setzen und jeder von uns eine Tasse heißen Thee 's und eine Scheibe köstlichen gerösteten Weißbrots gegeben hatte erhob sie sich öffnete eine Schieblade nahm aus derselben ein in Papier gewickeltes Paket und enthüllte vor unseren Augen einen großen prächtigen Krümelkuchen »Ich hatte die Absicht jeder von euch ein Stück hiervon mit auf den Weg zu geben « sagte sie »da man uns aber so wenig Toast bewilligt hat sollt ihr es jetzt schon haben « und sie begann mit großmütiger Hand den Kuchen in Scheiben zu schneiden Wir schmausten an diesem Abend wie von Nektar und Ambrosia und es war nicht die kleinste Freude dieses Festes daß unsere Wirtin uns mit freundlich zufriedenem Lächeln zusah wie wir unseren regen Appetit an den köstlichen Leckerbissen welche sie uns vorsetzte stillten Als der Thee getrunken und der Tisch abgeräumt war rief sie uns wieder an den Kamin wir setzten uns an jede Seite von ihr und jetzt folgte ein Gespräch zwischen Helen und ihr welchem lauschen zu dürfen allerdings eine Begünstigung war Miß Temple hatte stets etwas von Seelenfrieden in ihrem Äußeren von Hoheit in ihrer Miene von geläutertem Anstand in ihrer Sprache welches jede Abweichung in das Feurige Erregte Ungestüme ausschloß – ein Etwas welches die Freude jener heiligte welche ihr zuhörten welche sie anblickten und allen ein Gefühl der Ehrfurcht einflößte In diesem Augenblick war es auch meine Empfindung – was aber Helen Burns anbetraf so überraschte sie mich aufs höchste Das erfrischende Mahl das wärmende Feuer die Gegenwart ihrer geliebten Lehrerin oder vielleicht mehr als alles dieses etwas in ihrem eigenen seltenen Gemüt hatte alle Kräfte und Gaben in ihr geweckt Sie erwachten sie entflammten zuerst glühten sie in den strahlenden Farben ihrer Wangen welche ich bis zu dieser Stunde niemals anders als bleich und blutleer gekannt hatte dann strahlten sie in dem feuchten Glanz ihrer Augen welche plötzlich eine Schönheit bekommen hatten die noch eigentümlicher war als jene Miß Temples – eine Schönheit die weder in der schönen Farbe noch in den langen Wimpern oder den herrlich gezeichneten Augenbrauen lag – sondern in dem Ausdruck in der Bewegung in dem Glanz Jetzt trug sie das Herz auf der Zunge und die Sprache floß – aus welcher Quelle weiß ich nicht – denn hat ein vierzehnjähriges Mädchen ein Herz das groß genug stark und kräftig genug ist um den brausenden Quell der reinen vollen feurigen Beredsamkeit fassen zu können Dies war die Eigenart von Helens Gesprächsweise an diesem mir unvergeßlichem Abende es war als wolle ihr Geist sich beeilen in einer kurzen Spanne Zeit ebenso voll und ganz zu leben wie die meisten Menschen während eines langen Daseins Sie sprachen über Dinge von denen ich niemals gehört hatte von längst geschwundenen Zeiten und Nationen von fernen Ländern von entdeckten oder nur geahnten Naturgeheimnissen – sie sprachen von Büchern Wie viele sie gelesen hatten Welchen reichen Schatz von Kenntnissen sie besaßen Dann schienen sie so vertraut mit französischen Namen und französischen