schien der Wind in diesem Augenblick meine heiße Stirn zu umfächeln ich hätte mir beinahe einbilden können daß Jane und ich uns an einem wilden einsamen Orte wiederfanden Unsere Seelen glaube ich müssen sich gefunden haben Du Janet lagst zu jener Stunde ohne Zweifel in tiefem unbewußtem Schlummer vielleicht entwand sich deine Seele ihrer Hülle und kam um die meine zu trösten denn es war deine Stimme – so wahr ich lebe – es war deine Stimme « Mein Leser es war am Montag Abend – gegen Mitternacht – als auch ich den geheimnisvollen Ruf vernahm es waren jene Worte mit denen ich ihn beantwortet hatte Ich horchte auf Mr Rochesters Erzählung aber ich machte ihm meinerseits keine Enthüllung Das Zusammentreffen schien mir zu unerklärlich und schreckensvoll um darüber zu sprechen Wenn ich irgend etwas erzählte so wäre meine Erzählung notwendigerweise derart gewesen daß sie einen tiefen Eindruck auf das Gemüt meines Zuhörers machte und dieses Gemüt welches nach all seinen Leiden dem düsteren Nachdenken nur zu sehr unterworfen war bedurfte nicht noch des tiefen Schattens den das Übernatürliche stets um sich wirft Ich behielt diese Dinge also für mich und grübelte allein darüber nach »Du kannst dich jetzt also nicht wundern « fuhr mein Gebieter fort »daß es mir schwer wurde dich für etwas anderes als eine Vision eine Stimme zu halten als du so plötzlich gestern Abend vor mir standest ich meinte du würdest wieder in Schweigen und in das Nichts zurücksinken wie jenes mitternächtliche Flüstern und Bergesecho vor dir dahingeschwunden war Jetzt danke ich Gott ich weiß es besser Ja ich danke Gott von ganzem Herzen « Er schob mich von seinem Schooße erhob sich nahm ehrerbietig den Hut vom Kopfe und indem er seine blinden Augen zur Erde senkte stand er lange in stummer Andacht da Nur die letzten Worte seines Gebets waren hörbar »Ich danke meinem Schöpfer daß er inmitten in der Strafe doch Gnade walten läßt Ich bitte meinen Erlöser in aller Demut daß er mir Kraft geben möge von jetzt an ein besseres reineres Leben zu führen als bisher « Dann streckte er die Hand aus daß ich ihn führe Ich ergriff die teure Hand preßte sie einen Augenblick an meine Lippen und ließ ihn sie dann auf meine Schulter legen Da ich soviel kleiner war als er diente ich ihm sowohl als Stütze wie als Führer Wir gingen in den Wald hinein und wendeten uns heimwärts 18 Kapitel Schluß Mein teurer Leser ich heirathete ihn Wir hatten eine sehr stille Hochzeit Nur er und ich der Geistliche und der Küster waren anwesend Als wir aus der Kirche zurückkamen ging ich in die Küche des Herrenhauses hinunter wo Mary das Mittagsessen bereitete und John die Messer putzte und sagte “Mary ich bin heute morgen mit Mr Rochester getraut.” Die Haushälterin und ihr Mann gehörten zu jener Sorte von anständigen und phlegmatischen Leuten welchen man zu jeder Zeit mit Sicherheit eine merkwürdige außergewöhnliche Nachricht mitteilen kann Ohne Gefahr zu laufen daß zuerst ein schriller