geduldig und gab mir eine so lange Zeit zum Nachdenken und zur Reue Als er an diesem Abend vor dem Schlafengehen seine Schwestern geküßt hatte hielt er es für angemessen sogar den Händedruck mit mir zu vergessen und verließ schweigend das Zimmer Ich die wenn auch keine Liebe so doch innige Freundschaft für ihn hegte fühlte mich durch diese Unterlassung verletzt so tief verletzt daß mir die Thränen aus den Augen stürzten »Jane ich sehe daß du dich mit St John während eures Spazierganges auf dem Moor gezankt hast « sagte Diana »Geh ihm nach er weilt jetzt noch im Korridor und wartet auf dich – er will sich wieder mit dir versöhnen.« Unter solchen Umständen besitze ich nur wenig Stolz ich möchte immer viel lieber glücklich und zufrieden als würdevoll sein Und deshalb lief ich ihm nach – er stand am Fuß der Treppe zum oberen Stockwerk »Gute Nacht St John « sagte ich »Gute Nacht Jane « entgegnete er ruhig »Geben Sie mir die Hand « fügte ich hinzu Welch einen kalten leichten Druck fühlte ich auf meinen Fingern Er war tief verletzt durch das was an diesem Tage vorgefallen war Thränen rührten ihn nicht Herzlichkeit erwärmte ihn nicht Von ihm war keine glückliche Versöhnung zu erzielen – kein ermunterndes Lächeln kein großmütiges Wort – aber der Christ war noch immer ruhig und geduldig und als ich ihn fragte ob er mir vergeben habe sagte er daß es nicht seine Gewohnheit sei die Erinnerung an eine Kränkung zu bewahren daß er nichts zu vergeben habe da er gar nicht beleidigt sei Und mit dieser Antwort ging er von mir Es wäre mir lieber gewesen wenn er mich mit den Fäusten zu Boden geschlagen hätte Fünfzehntes Kapitel Am folgenden Tage reiste er jedoch nicht nach Cambridge ab trotzdem er es gesagt Er schob die Abreise noch eine ganze Woche auf und während dieser Zeit ließ er es mich empfinden welche schwere Strafe ein guter jedoch strenger ein gewissenhafter jedoch unbeugsamer Mann einem Wesen auferlegen kann das ihn beleidigt hat Ohne irgend einen Akt von offener Feindseligkeit ohne ein Wort des Vorwurfs gelang es ihm mir fortwährend die Überzeugung beizubringen daß ich seine Gunst vollständig verloren hatte Nicht daß St John den Geist unchristlicher Rachsucht gehegt hätte – nicht daß er mir auch nur ein Haar auf meinem Haupte gekrümmt hatte selbst wenn es in seiner Macht gelegen Sowohl durch Grundsatz wie durch Natur war er erhaben über jede gemeine Befriedigung seines Rachegefühls er hatte mir verziehen weil ich gesagt ich verachte ihn und seine Liebe aber die Worte hatte er nicht vergessen und er würde sie auch nicht vergessen so lange er und ich lebten Wenn er sich zu mir wandte sah ich an seinem Blick daß sie stets zwischen ihm und mir in der Luft geschrieben standen wenn ich sprach so schlugen sie in meiner Stimme an sein Ohr und ihr Echo klang aus jeder Antwort die er mir gab Er stand durchaus nicht von jeder Unterhaltung mit