war Seine Leidenschaft erreichte den höchsten Grad Er mußte ihr einen Augenblick nachgeben – komme was da wolle Er schritt auf mich zu faßte meinen Arm und packte mich um die Taille Er schien mich mit den flammenden Blicken zu verschlingen Physisch fühlte ich mich in diesem Augenblick so schwach wie trocknes Stroh das der Glut und dem Zug eines Hochofens ausgesetzt ist Psychisch hatte ich noch meine Seele und in ihr das Gefühl der endlichen Sicherheit Die Seele hat glücklicherweise einen Dolmetsch – oft einen unbewußten immer jedoch einen getreuen Dolmetsch – das Auge Mein Auge erhob sich zu dem seinen und während ich in sein wild erregtes Antlitz schaute stieß ich unwillkürlich einen Seufzer aus Sein Griff war schmerzhaft und meine überbürdeten Kräfte fast erschöpft »Niemals « sagte er indem er mit den Zähnen knirschte »niemals hat es ein Geschöpf gegeben das zugleich so zart und so unbezwinglich so unbeugsam In meiner Hand ist sie nur ein schwaches Rohr Und er schüttelte mich mit dem ganzen Aufgebot seiner Kräfte Ich könnte sie mit Daumen und Zeigefinger zerbrechen Aber was würde es nützen wenn ich sie zerbräche sie zerrisse zermalmte Betrachte Einer das Auge Betrachte Einer das entschlossene wilde freie Etwas das mir daraus entgegenblickt das mir trotzt mit mehr als Mut – mit wildem Triumph Was ich auch mit der Hülle thun mag zu diesem Etwas kann ich nicht gelangen Wildes schönes Geschöpf Wenn ich dies zarte Gefängnis zerreiße zersprenge so würde das nur jenes gefangene Etwas befreien Das Gehäuse könnte ich besiegen aber der Insasse würde gen Himmel fliegen bevor ich mich noch Besitzer jener Hülle aus irdischem Thon nennen könnte Und du bist es doch Geist – mit deinem Willen und deiner Energie deiner Tugend und Reinheit den ich haben will nicht allein deine schöne Behausung Wenn du nur wolltest so könntest du aus eigenem Antriebe mit sanftem leisem Flügelschlag kommen und dich an mein Herz schmiegen Wollte ich dich gegen deinen Willen greifen so würdest du dich meiner Hand wieder entwinden wie zarter Blütenduft verraucht ehe wir seinen Wohlgeruch eingeatmet haben O komm Jane komm « Indem er dies sagte ließ er mich los und blickte mich nur noch an Es war viel schwerer diesem Blick zu widerstehen als seiner wahnsinnigen Umarmung Doch nur eine Sinnlose wäre jetzt noch unterlegen Ich hatte seiner Wut getrotzt und sie zu Schanden gemacht seinen Kummer jedoch konnte ich nicht ertragen Deshalb näherte ich mich der Thür »Gehst du Jane « »Ich gehe Sir.« »Du willst mich verlassen « »Ja.« »Du willst nicht zu mir kommen – Du willst nicht meine Trösterin meine Erlöserin sein – Meine tiefe innige Liebe mein wildes Weh meine heißen Bitten – ist alles das nichts für dich « Welch eine unbeschreibliche Würde lag in seinen Tönen Wie schwer war es fest und entschlossen zu wiederholen »ich gehe « »Jane « »Mr Rochester « »So geh denn – ich willige ein – aber vergiß nicht daß du mich hier in Todesqualen zurückläßt Geh hinauf