– keine verletzende Silbe Kein Ausbruch der Leidenschaft – keine Kränkung Du sitzest ruhig dort wohin ich dich gesetzt habe und siehst mich mit müden leidenden Augen an « »O Jane ich habe dich nicht so tief verwunden wollen Wenn der Mann der nur ein einziges kleines Lämmchen besaß das seinem Herzen teuer war wie sein Kind das von seinem Brote aß und aus seinem Becher trank das an seinem Herzen ruhte – wenn der Mann dieses Lämmchen durch irgend einen Irrtum an der Schlachtbank geschlachtet – er könnte sein blutiges Versehen nicht mehr bereuen als ich jetzt das meine Kannst du mir jemals verzeihen « Mein Leser ich vergab ihm schon in demselben Augenblick In seinen Augen sah ich so tiefe Reue so wahres echtes Mitleid in seiner Stimme so viel männliche Energie in seiner Art und Weise Und außerdem verrieten seine Blicke und Mienen so viel unveränderte Liebe – ich vergab ihm alles Doch nicht in Worten nicht äußerlich – nur in der innersten Tiefe meines Herzens »Du weißt daß ich ein Elender ein Schurke bin Jane « fragte er nach einer Weile traurig Er war wohl verwundert über mein anhaltendes Schweigen meine augenscheinliche Ruhe Sie entsprangen mehr meiner Schwäche als meinem Willen »Ja Sir.« »Dann sag es mir gerade heraus mit scharfen bösen Worten Schone mich nicht Kind o schone mich nicht « »Ich kann nicht Ich bin müde und krank ich möchte einen Tropfen Wasser haben « Er stieß einen schaudernden Seufzer aus dann nahm er mich in seine Arme und trug mich hinunter Anfangs wußte ich nicht in welches Zimmer er mich getragen hatte alles war trübe vor meinen verglasten Augen doch bald empfand ich die belebende Wärme eines Feuers denn trotzdem es Sommer war ich in meinem Zimmer eiskalt geworden Er hielt ein Glas Wein an meine Lippen ich nippte davon und fühlte neue Kräfte zurückkehren dann aß ich etwas das er mir brachte – und bald war ich wieder ich selbst Ich war im Bibliothekzimmer – ich saß in seinem Stuhl – er war mir ganz nahe »Wenn ich jetzt aus diesem Leben gehen könnte ohne einen zu jähen Schmerz so würde mir wohl sein « dachte ich »Dann brauchte ich nicht die Anstrengung zu machen meinen Herzensnerv zu zerreißen indem ich mich von Mr Rochester losreiße Ich muß ihn verlassen Ach ja ich muß es Aber ich will ihn nicht verlassen – ich kann ihn nicht verlassen.« »Wie fühlst du dich jetzt Jane « »Viel besser Sir Bald wird mir ganz wohl sein « »Koste noch einmal von dem Wein Jane.« Ich that wie er befahl Dann stellte er das Glas auf den Tisch stand vor mir und betrachtete mich aufmerksam Plötzlich wandte er sich ab mit einem unterdrückten Aufschrei in dem sich alle Leidenschaft Luft machen wollte Dann schritt er schnell durch das Zimmer und kam zu mir zurück er beugte sich nieder als wollte er mich küssen aber es fiel mir ein daß alle Lieblosungen jetzt verboten seien Ich wandte