beimessen Ich wollte nicht sagen daß er mich betrogen habe aber mit dem Gedanken an ihn verband ich nicht mehr das Attribut fleckenloser Wahrheit Und nun mußte ich fort aus seiner Nähe – das wenigstens empfand ich klar Wann – wie – wohin – das sah ich jetzt noch nicht deutlich Aber ich zweifelte nicht daran daß er selbst mich so schnell wie möglich von Thornfield fortschicken würde Wahre Liebe – so schien es mir – konnte er doch unmöglich für mich gehegt haben Es war nur eine vorübergehende Leidenschaft gewesen deren Befriedigung vereitelt worden jetzt würde er meiner nicht mehr bedürfen Ich fürchtete mich sogar jetzt seinen Pfad zu kreuzen mein Anblick mußte ihm verhaßt sein O wie blind waren meine Augen gewesen Wie jämmerlich schwach mein Verhalten Meine Augen waren bedeckt und geschlossen Wirbelnde Dunkelheit schien mich zu umgeben wie eine schwarze schlammige Flut stürzten die Gedanken über mich hin Machtlos schwach zu kraftlos um eine Anstrengung zu machen war mir als läge ich in dem ausgetrockneten Flußbette eines großen Stromes ich hörte wie der rauschende Gießbach von fernen Gletschern daherbrauste ich fühlte wie die Flut kam – aber ich hatte nicht den Mut mich zu erheben nicht die Kraft um zu fliehen Ohnmächtig lag ich da ich sehnte mich nur nach dem Tode Nur noch ein einziger lebensfähiger Gedanke durchzuckte mich zuweilen der Gedanke an Gott Und dieser erzeugte ein unausgesprochenes Gebet in mir die Worte zogen in meiner verdüsterten Seele auf und nieder wie etwas das geflüstert werden sollte aber ich hatte nicht die Energie sie auszusprechen »Bleib bei mir o Gott denn die Prüfung ist nahe und kein Helfer da « Sie war nahe und da ich keine Bitte gen Himmel gesandt sie von mir abzuwenden – da ich weder die Hände gefaltet noch das Knie gebeugt oder die Lippen bewegt hatte – da kam sie in großen schweren Wogen brauste der Strom über mich fort In einer grauen fürchterlichen Masse strömte das Bewußtsein meines zerstörten Lebens meiner verlorenen Liebe meiner erloschenen Hoffnung meines toten Glaubens auf mich ein Jene bittere Stunde kann ich nicht beschreiben In der That die Wasser strömten in meine Seele ich sank in einen tiefen Sumpf ich hatte keine Stütze keinen Grund mehr ich kam in die Tiefe – die Fluten brausten über mich fort Siebentes Kapitel Während des Nachmittags erhob ich den Kopf und als ich umherblickte und sah wie die letzten Strahlen der untergehenden Sonne auf die Wand meines Zimmers fielen da fragte ich »Was soll ich jetzt beginnen « Aber die Antwort welche meine Seele mir gab »Verlaß Thornfield sofort« – kam so schnell so furchtbar schnell daß ich mir die Ohren zuhielt Ich sagte daß ich solche Worte jetzt nicht hören könne »Daß ich Edward Rochesters Gattin nicht bin ist der geringste Teil meiner Leiden « versicherte ich »daß ich aus meinen herrlichsten Träumen erwachte und sie alle eitel und trügerisch befand – das ist etwas Entsetzliches das ich jedoch noch ertragen und überwinden könnte daß