nicht daß jenes Weib welches darin als meine Gattin bezeichnet wird noch am Leben ist.« »Wenigstens lebte sie vor drei Monaten noch « entgegnete der Advokat »das ist bewiesen.« »Woher wissen Sie das « »Ich habe einen Zeugen für jenes Faktum Sir einen Zeugen Sir dessen Aussagen selbst Sie nicht bestreiten oder entkräften können.« »Bringen Sie ihn zur Stelle – – oder fahren Sie zum Teufel « »Vorerst will ich ihn zur Stelle bringen – er befindet sich in nächster Nähe Mr Mason haben Sie doch die Güte vorzutreten.« Als Mr Rochester diesen Namen hörte knirschte er mit den Zähnen ein starkes convulsivisches Zittern machte seinen ganzen Körper erbeben er hielt mich so fest an sich gedrückt daß ich das krampfhafte Beben der Wut und der Verzweiflung das seine ganze Gestalt durchfuhr mit empfinden mußte Der zweite Fremde welcher sich bis jetzt im Hintergrunde gehalten hatte trat jetzt ebenfalls näher Ein bleiches Gesicht blickte über die Schulter des Rechtsgelehrten – ja – es war Mr Mason in eigener Person Mr Rochester wandte sich um und starrte ihn an Wie ich schon oft erwähnt habe war sein Auge schwarz – jetzt aber hatte es einen rotbraunen nein einen blutigen Glanz in seiner Düsterkeit – sein Antlitz färbte sich – die olivefarbenen Wangen die bleiche Stirn wurden von einer Glut überzogen die wie ein Feuer aus dem gemarterten Herzen emporzusteigen schien Dann machte er eine Bewegung erhob seinen starken Arm – er war im Begriff Mason niederzuschlagen ihn auf den Boden der Kirche hinzustrecken schonungslos sein Leben zu zerstören – aber Mason zuckte zurück und schrie hilflos »Allmächtiger Gott « Hier bemächtigte plötzlich grenzenlose Verachtung sich Mr Rochesters und machte ihn ruhig – seine Leidenschaft erlosch als hätte der Frost sie mit einem Schlage vernichtet und er fragte nur »Was haben Sie noch zu sagen « Eine unhörbare Antwort entrang sich den bleichen Lippen Mr Masons »Der Teufel soll dich holen wenn du nicht deutlich antworten kannst Ich frage dich noch einmal was du zu sagen hast « schrie Mr Rochester ihn an »Sir – Sir « unterbrach ihn hier der Geistliche »vergessen Sie nicht daß Sie sich an geweihter Stätte befinden.« Dann wandte er sich zu Mr Mason und fragte sanft »Wissen Sie Sir ob die Frau dieses Herrn hier noch am Leben ist oder nicht « »Mut – Mut « tröstete ihn der Advokat »sprechen Sie nur gerade heraus.« »Sie lebt noch – und zwar in – Thornfield-Hall « sagte Mason mit deutlicherer Stimme »Zum letztenmal sah ich sie dort im April Ich bin ihr Bruder.« »In Thornfield-Hall « rief der Prediger entsetzt aus »Unmöglich Ich bin ein alter Bewohner dieser Gegend Sir und noch niemals nein niemals habe ich von einer Mrs Rochester auf Thornfield-Hall gehört.« Ich sah wie ein grausames Lächeln Mr Rochesters Lippen verzerrte Er murmelte »Nein bei meinem Gott Ich habe Sorge getragen daß niemand davon hören sollte – oder von ihr – unter jenem Namen.« Er dachte nach Volle zehn Minuten ging er mit sich