es zu spät für sie Jetzt konnte sie keine Anstrengung mehr machen um ihr Gemüt zu ändern Während ihres Lebens hatte sie mich nur gehaßt – auch im Tode mußte sie mich noch hassen Jetzt trat die Wärterin ein und Bessie folgte ihr Ich verweilte noch eine halbe Stunde immer auf ein Zeichen von Freundlichkeit und Vergebung hoffend aber es war umsonst sie sah mich nicht mehr Sie sank immer mehr und mehr in Bewußtlosigkeit die Besinnung kehrte nicht wieder Um zwölf Uhr in jener Nacht starb sie Ich war nicht da um ihre Augen zudrücken zu können auch ihre Töchter weilten nicht bei ihr Am nächsten Morgen kamen die Wärterin und Bessie um uns mitzuteilen daß alles vorüber sei Man hatte sie schon auf das Paradebett gelegt Eliza und ich gingen um sie noch einmal zu sehen Georgina brach in lautes krampfhaftes Weinen aus und sagte sie habe nicht den Mut zu gehen Da lag nun Sarah Reeds einstmals so kräftiger lebensvoller Körper starr und kalt und still Die kalten Lider bedeckten das scharfe erbarmungslose Auge die Stirn und die starren Züge trugen noch den Stempel ihrer unbeugsamen unerbittlichen Seele Dieser Leichnam hatte etwas Seltsames Feierliches für mich Mit Schauer und Kummer blickte ich auf ihn herab nichts Sänftigendes nichts Friedliches nichts Erbarmungsreiches oder Hoffnungerweckendes oder ruhig Stimmendes flößte er mir ein nur einen herzzerreißenden angstvollen Jammer um ihr Weh – nicht um meinen Verlust – und ein düsteres thränenloses Entsetzen über die Grauen des Todes in dieser Gestalt Eliza blickte ruhig auf ihre Mutter herab Nach einigen Minuten des Schweigens bemerkte sie »Mit ihrer Konstitution hätte sie ein schönes hohes Alter erreichen können Aber Kummer hat ihr Leben verkürzt.« Dann zog ihr Mund sich einen Augenblick krampfhaft zusammen Aber nur für einen Augenblick Gleich darauf wandte sie sich ab und ging zur Thür hinaus Dasselbe that ich Keine von uns hatte eine Thräne vergossen Zweites Kapitel Mr Rochester hatte mir nur eine Woche Urlaub gegeben aber trotzdem verfloß ein ganzer Monat ehe ich Gateshead verließ Ich wollte unmittelbar nach dem Begräbnis abreisen aber Georgina flehte mich an zu bleiben bis es ihr möglich sein würde nach London abzureisen wohin ihr Onkel Mr Gibson sie nun endlich endlich eingeladen hatte Dieser war hinaus gekommen um alle Anstalten für das Begräbnis seiner Schwester zu treffen und die Geldangelegenheiten der Familie zu ordnen Georgina sagte sie fürchte sich mit Eliza allein zu bleiben von ihr hatte sie weder Sympathie in ihrer Traurigkeit noch Hilfe in ihrer Bedrängnis und Unterstützung bei ihren Reisevorbereitungen zu erhoffen Daher ertrug ich denn ihr kleinmütiges Jammern und ihre selbstsüchtigen Klagen so gut ich konnte und that mein Bestes indem ich für sie nähte und arbeitete und Wäsche und Kleider für sie einpackte Es ist wahr daß sie müßig umherging während ich arbeitete und gar oft dachte ich in meinem Sinne »Nun Cousine wenn wir beiden verurteilt wären miteinander zu leben so würden wir die Sache bald anders anfassen Ich würde mich nicht gutwillig darein finden der