weiß daß ich alles versucht hatte die Keime dieser Liebe aus meiner Seele zu reißen sobald ich sie entdeckt hatte und jetzt wo ich ihn zum erstenmale wiedersah lebten sie sofort frisch und stark und neu wieder auf Ohne daß er mich ansah machte er daß ich ihn lieben mußte Ich verglich ihn mit seinen Gästen Was war die tapfere Grazie der Lynns die schmachtende Eleganz Lord Ingrams – sogar die militärische Distinktion Oberst Dents im Vergleich zu der inneren Kraft und angeborenen Macht welche aus seinen Blicken sprach Mit ihrem Ausdruck ihrer Erscheinung hatte ich keine Sympathie – und doch konnte ich mir vorstellen daß es Leute gäbe welche sie anziehend schön imposant finden mußten während sie Mr Rochester sofort unschön und melancholisch aussehend erklären würden Ich sah sie lächeln lachen – es war nichts das Licht der Kerzen hatte mehr Seele in sich als ihr Lächeln das Klingen der Schellen ebensoviel Bedeutung als ihr Lachen Ich sah Mr Rochester lächeln – seine harten Züge wurden weich sein Auge wurde glänzend und sanft sein Strahl süß und bis ins Herz dringend In diesem Augenblick sprach er mit Louise und Amy Eshton Es setzte mich in Erstaunen zu sehen mit welcher Ruhe sie den Blick auffingen der mir so durchdringend erschien ich erwartete daß ihre Augen sich senken würden daß ihre Farbe kommen und gehen würde – und doch war ich glücklich als ich sah daß sie in keiner Weise bewegt waren »Er ist für sie nicht was er für mich ist « dachte ich »er ist nicht ihres Gleichen Ich glaube er ist von meiner Art – ich bin dessen gewiß – ich fühle mich ihm verwandt – ich verstehe die Sprache seiner Bewegungen seiner Gesichtszüge wenn auch Rang und Reichtum eine weite Kluft zwischen uns bilden so habe ich etwas in meinem Hirn und Herzen in meinem Blut und meinen Nerven das mich ihm geistig gleich stellt Habe ich noch vor wenigen Tagen gesagt daß ich nichts weiter mit ihm zu thun habe als meinen Lohn aus seinen Händen zu empfangen Habe ich mir untersagt ihn in einem andern Lichte zu sehen als in dem meines Zahlmeisters Blasphemie gegen die Natur Jedes gute wahre mächtige Gefühl das mir innewohnt sammelt sich um ihn Ich weiß daß ich meine Empfindungen verbergen muß daß ich alle Hoffnung ertöten muß ich darf nicht vergessen daß er nur wenig Intresse für mich hegen kann Denn wenn ich sage daß ich von seiner Art bin so meine ich nicht daß ich seine Kraft des Einflusses besitze und seinen Zauber der Anziehungskraft Ich will nur sagen daß ich gewisse Ansichten und Gefühle mit ihm gemein habe Und ich muß fortwährend wiederholen daß wir für ewig getrennt sind – und doch so lange ich atme und denke so lange muß ich ihn lieben.« Der Kaffee wird umhergereicht Seitdem die Herren ins Zimmer getreten sind die Damen lebhaft wie die Lerchen geworden die Konversation wird lustig und angeregt Oberst Dent und Mr Eshton sprechen über Politik