getödtet Der Wechsel der Tageszeiten ging spurlos an mir vorüber ich bemerkte keinen Unterschied zwischen Vor und Nachmittag zwischen Morgen und Abend Wohl sah ich es wenn jemand in meine Stube trat oder sie verließ ich erkannte sogar die verschiedenen Personen und verstand auch was sie sagten doch hätte ich um keinen Preis meine Lippen öffnen und selbst sprechen können Am häufigsten besuchte mich Hannah Ihre Gegenwart war mir unangenehm denn ein eigenthümliches Gefühl sagte mir daß sie mich hinwegwünschte daß sie meine traurige Lage meine Verhältnisse nicht begriff und gegen mich eingenommen war Diana und Mary kamen ein oder zweimal in meine Stube Ihr gewöhnliches Gespräch lautete Es ist ein Glück daß wir sie aufnahmen Wohl man hätte sie gewiß am nächsten Morgen vor unserer Thürschwelle todt gefunden Was mag die Arme alles ausgestanden haben Sie hat wohl viele Widerwärtigkeiten erduldet die arme blasse hagere Pilgerin Nach ihrer Sprache zu urtheilen scheint sie nicht ohne Bildung zu sein Auch ihre Kleidung war wiewohl mit Koth bespritzt und vom Regen durchnäßt nichts weniger als abgetragen und von modernem Schnitt Sie hat ein eigenthümliches Gesicht daß mir trotz seiner Blässe und Hagerkeit sehr gefällt wenn sie gesund und guter Laune ist muß ihre Physiognomie sehr angenehm sein Nie mischte sich in ihr Zwiegespräch auch nur eine Silbe des Bedauerns über die mir erwiesene Gastfreundschaft nie ein Wort des Mißtrauens oder der Abneigung gegen mich selbst Das tröstete mich Mister St John besuchte mich bloß ein einzigesmal Er sah mich an und sagte mein lethargischer Zustand wäre die Folge außerordentlicher und anhaltender Anstrengungen und Entbehrungen Er meinte ärztliche Hilfe thäte hier nicht noth die Natur werde sich selbst am besten helfen und meine Genesung wenn sie einmal begonnen einen sehr raschen Fortgang nehmen Alle diese Aussprüche gab er in kurzgefaßten Sätzen mit leiser Stimme von sich Eine ungewöhnliche Physiognomie schloß er die weder Gemeinheit noch Gesunkenheit anzeigt Ganz im Gegentheil erwiderte Diana Die Wahrheit zu sagen hängt mein Herz an dem armen kleinen Geschöpfe Ich wollte wir wären im Stande sie für immer bei uns zu behalten Das ist kaum möglich versetzte St John Sie ist gewiß irgend eine junge Dame die in Folge eines Mißverständnisses ihrer Familie davonging Vielleicht gelingt es uns sie der letzteren wiederzugeben falls sie nicht stützig ist allein der Ausdruck ihrer Gesichtszüge zeigt sehr viel Charakterstärke an was mich an ihrer Fügsamkeit einigermaßen zweifeln läßt Er betrachtete mich durch einige Minuten und fügte dann hinzu Sie sieht sehr geistreich doch nichts weniger als schön aus Sie ist ja krank St John Alles eins krank oder gesund kann sie doch nie hübsch sein Die Grazie und die Harmonie der Schönheit gehen diesem Gesichte gänzlich ab Am dritten Tage befand ich mich besser am vierten konnte ich sprechen mich bewegen im Bette aufstehen Hannah brachte mir wohl um die Mittagszeit etwas Hafergrütze und geröstetes Brot Ich aß mit Appetit nicht mit jenem krankhaften Heißhunger und fühlte mich so kräftig daß der Trieb nach Bewegung und Thätigkeit in mir rege