bist es Du kräftige tugendhafte keusche Seele nach der ich trachte nicht Dein gebrechliches Gefängniß Warum brichst Du nicht von selbst Deine Fesseln und kommst zu mir und ziehst in mein Herz ein Gegen Deinen Willen kann ich Dich nicht fassen ebenso wenig als einen Wohlgeruch der verflüchtigt noch ehe man seinen Duft eingesogen hat O komm theure Seele komm Er hatte mich inzwischen losgelassen und blickte mich nur noch an Weit schwerer war es diesem Blicke zu widerstehen als jenem wilden krampfhaften Drucke allein nur eine Blödsinnige wäre jetzt unterlegen Ich hatte seiner Wuth getrotzt sie gebrochen seinem Schmerze mußte ich ausweichen Ich zog mich zur Thür zurück Sie gehen Jane Ich gehe Sir Sie verlassen mich Ja Sie bleiben nicht bei mir Sie wollen nicht meine Trösterin meine Erlöserin sein Meine heiße Liebe mein wilder Schmerz mein Bitten und Flehen gilt Ihnen das alles nichts Welche glühende Leidenschaft lag in dem Tone seiner Stimme Wie schwer wurde es mir wiederholt zu erwidern Ich gehe Jane Mister Rochester Sehen Sie ich willige ein aber erinnern Sie sich daß Sie mich hier in Angst und Qual zurücklassen Gehen Sie in Ihre Stube hinauf denken Sie an alles was ich Ihnen gesagt und an meine Leiden Jane denken Sie an mich Er wandte sich um und warf sich mit dem Gesichte aufs Sopha O Jane Meine Hoffnung meine Liebe mein Leben ertönte es schmerzlich von seinen Lippen Ein tiefer langgezogener Seufzer folgte Ich hatte bereits den Ausgang erreicht aber ich ging noch einmal zurück ebenso festen Schrittes als ich mich entfernt hatte Ich kniete vor ihm nieder hob seinen Kopf aus den Kissen empor küßte seine Wange und strich ihm das Haar glatt Gott segne Sie mein theurer Herr sagte ich Er halte Schmerz und Gram fern von Ihnen er geleite und tröste Sie er lohne Ihnen alle mir erwiesene Güte Meine beste Belohnung wäre die Liebe meiner kleinen Jane gewesen antwortete er ohne sie stirbt mein Herz ab Doch Jane wird mir ihre Liebe schenken das wird sie in ihrem Edelmuth ihrer Herzensgüte Das Blut stieg ihm ins Gesicht seine Augen blitzten er sprang in die Höhe und breitete die Arme nach mir aus Aber ich ging der beabsichtigten Umarmung aus dem Wege und verließ mit einemmale das Zimmer Lebe wohl rief mein Herz als ich ihn verließ Die Verzweiflung fügte hinzu Lebe wohl auf ewig Ich dachte gar nicht daß ich die Nacht würde schlafen können aber kaum hatte ich mich ins Bett gelegt als auch schon der Schlummer meine Augen schloß Ein lebhafter Traum versetzte mich in die Tage meiner Kindheit zurück Ich träumte ich liege in der rothen Stube zu Gateshead die Nacht sei finster und mein Gemüth unter dem Einflusse einer sonderbaren Furcht Jener Lichtschein der mich vor Jahren bewußtlos gemacht erschien mir in meinem Traumgesichte ich sah ihn die Wand hinangleiten und inmitten der Zimmerdecke zitternd Halt machen Ich hob meinen Kopf empor um die Erscheinung zu besichtigen die Zimmerwölbung löste sich in schwere düstere