jetzt erst daß ich vor Aufregung und Hunger unwohl war weder Speise noch Trank waren den ganzen Tag über meine Lippen gekommen denn ich hatte in der Eile nicht einmal frühstücken können Dazu kam der schmerzliche Gedanke daß sich die ganze Zeit hindurch keine Menschenseele um mich gekümmert niemand nach mir gefragt hatte Nicht einmal Adela war an die Thür meiner Stube gekommen nicht einmal Mistreß Fairfax hatte sich meiner erinnert Wem das Glück den Rücken wendet der hat keine Freunde mehr sprach ich vor mich hin während ich den Riegel zurückschob und zum Zimmer hinaustrat Ich strauchelte übe etwas mein Kopf war noch immer eingenommen meine Augen getrübt meine Glieder schwach aber ich fiel nicht auf den Boden ein ausgestreckter Arm fing mich auf Ich sah empor Mister Rochester hielt mich der in seinem Stuhle vor der Thürschwelle gesessen war Endlich kommen Sie heraus sagte er Ich habe lange auf Sie gewartet und einstweilen gehorcht aber ich hörte weder eine Bewegung noch einen Seufzer noch fünf Minuten und ich hätte das Schloß aufgebrochen wie ein Dieb Also Sie gehen mir aus dem Wege Sie sperren sich ein um allein zu weinen Ich wollte Sie wären lieber voll Wuth und Heftigkeit auf mich losgefahren Sie sind leidenschaftlich ich machte mich auf einen lärmenden Auftritt gefaßt Ich war auf einen heißen Thränenregen vorbereitet und wünschte nur sie würden an meinem Herzen vergossen indessen hat sie der gefühllose Fußboden oder Ihr nasses Taschentuch eingesogen Doch ich irre mich Sie haben gar nicht geweint Ihre Wange ist blaß und Ihr Auge verschwommen allein von Thränen keine Spur Wahrscheinlich hat Ihr Herz Blut geweint Nun Jane haben Sie keinen Vorwurf für mich Keine Bitterkeit keine herzzerreißenden Reden Nichts was das Gefühl erregt und den Zorn aufstachelt Sie sitzen ruhig auf dem Orte auf den ich Sie niedergesetzt und sehen mich mit einem matten ausdruckslosen Blicke an Ich hatte nicht die Absicht Jane Sie so zu verletzen Wenn irgend jemand sein einziges Schäfchen das er wie sein Kind liebte dem er von seinem Brote zu essen aus seinem Becher zu trinken gab das an seinem Busen zu ruhen pflegte durch irgend ein Mißverständniß geschlachtet hätte er könnte sein blutiges Versehen nicht bitterer bereuen als ich das meinige Werden Sie mir je vergeben Ich vergab ihm auf der Stelle In seinem Blicke lag ein so tiefes Bedauern in dem Tone seiner Stimme ein so aufrichtiges Leid in seiner ganzen Erscheinung ein so unverkennbarer Ausdruck seiner unwandelbaren Liebe daß ich ihm alles wenn auch nicht laut so doch im Innersten meines Herzens verzieh Sie wissen daß ich ein Schurke bin frug er neugierig sich ohne Zweifel über mein fortgesetztes Stillschweigen und über meine Sanftmuth wundernd die beide mehr das Ergebniß meiner Abspannung als meines Willensvermögens waren Ich schwieg Dann sagen Sie mir es rund heraus und schonen Sie mich nicht Das kann ich nicht ich bin zu erschlafft und krank Ich möchte etwas Wasser haben Er stieß einen langen zitternden Seufzer aus nahm mich in seine Arme