es wurde über und über grün und blumig die hohen Ulmen Eschen und Eichen waren ihrem majestätischen Dasein wiedergegeben tausende von Waldpflanzen keimten unter ihrem Schatten in die Höhe unzählige Moosarten füllten die Höhlungen aus der ungeheuere Reichthum von wilden Primeln deckte den Boden wie ein zweiter Sonnenschein oft sah ich ihr blasses Gold dem anmuthigsten Sonnenlichte ähnlich an schattigen Orten erglänzen Alle diese Freuden der Natur genoß ich ununterbrochen in vollstem Maße frei und unbewacht und beinahe ganz allein diese ungewöhnliche Ungebundenheit hatte ihre besondere Ursache die ich nun auseinanderzusetzen bemüht sein werde Habe ich nicht einen herrlichen Wohnplatz beschrieben wenn ich von schwellenden Hügeln mit schattigem Gehölz sprach die vom Rande eines Baches in die Höhe stiegen Ganz gewiß einen sehr anmuthigen Wohnplatz ob er aber gesund war oder nicht das ist eine andere Frage Die Waldschlucht in welcher Lowood lag war der Sammelplatz giftiger Nebel und pestilenzialischer Ausdünstungen die mit dem erwachenden Lenze an Schädlichkeit zunehmend in das Waisenhaus drangen durch ihren bösen Hauch den Typhus in die überfüllten Räume brachten und bevor der Monat Mai herankam die Erziehungsanstalt in ein Krankenhaus verwandelten Mangel an hinreichender Nahrung und vernachlässigte Erkältungen hatten die meisten Zöglinge für die Ansteckung empfänglich gemacht von den achtzig Mädchen erlagen auf einmal fünfundvierzig der Seuche Die Wenigen welche gesund blieben erfreuten sich einer beinahe schrankenlosen Freiheit da der Arzt eine unausgesetzte Bewegung im Freien als das beste Vorbeugungsmittel empfohlen hatte und andererseits auch niemanden Muße genug blieb sie zu überwachen Miß Temple 's ganze Aufmerksamkeit war von den Patientinnen in Anspruch genommen sie wohnte sozusagen im Krankenzimmer das sie nur des Nachts auf einige Stunden verließ um etwas Kräfte zu sammeln Die Lehrerinnen hatten mit Einpacken und anderen Vorbereitungen zur Reise vollauf zu thun da diejenigen Mädchen welche glücklich genug waren Freunde und Verwandte zu besitzen die sie aufnehmen konnten und wollten insgesammt dem Orte der Ansteckung den Rücken wandten Viele von ihnen die schon den Keim des Todes in sich trugen starben sofort nach ihrer Ankunft in der Heimat noch mehrere starben in der Anstalt selbst und wurden schnell und ohne Gepränge zur Erde bestattet indem die Natur der Krankheit keinen Aufschub zuließ Während auf diese Weise eine Epidemie ihren Wohnsitz in Lowood aufgeschlagen hatte und der unerbittliche Sensenmann häufige Besuche abstattete während Trauer und Furcht innerhalb der Mauern herrschte und der eigenthümliche Spitalgeruch die Gänge erfüllte weil weder Essenzen noch Räucherkerzchen den Pesthauch des Todes zu vertreiben im Stande waren erglänzte außerhalb der schönste heiterste Frühlingshimmel über den stolzen Bergen und dem herrlichen Waldlande Auch der Garten prangte im schönsten Blüthenschmucke Pappelrosen waren baumhoch emporgeschossen die Lilien hatten ihre Kelche geöffnet Dahlien und Rosenstauden in voller Blüthe die Einfassungen der kleinen Beete schmückten junge Nelken und carmoisinrothe gefüllte Gänseblümchen Morgens und Abends verstreuten die Bartnelken ihren eigenthümlichen Gewürz und Aepfelgeruch allein alle diese duftenden Schätze wuchsen für die meisten Bewohnerinnen von Lowood vergebens ausgenommen daß sie dann und wann eine Hand voll Blätter und Bülthen lieferten einen Sarg auszuschmücken Wir Anderen