an Ich habe Sie beobachtet seitdem ich Sie kenne Sie waren durch zehn Monate der Gegenstand meines Studiums Ich habe Sie während dieser Zeit einigemale auf die Probe gestellt und was war das Ergebniß meiner Beobachtungen In der Dorfschule benahmen Sie sich musterhaft waren pünktlich gerecht vollbrachten Arbeiten die Ihren Gewohnheiten und Neigungen nicht im mindesten entsprachen bei allem dem zeigten Sie bedeutende Fähigkeiten und einen gewissen Takt trotz aller Strenge wußten Sie sich die Herzen Ihrer Schülerinnen zu gewinnen Die Ruhe mit der Sie die Nachricht Ihres plötzlichen Reichthums vernahmen ließ mich erkennen daß Ihnen Gewinnsucht fremd sei die entschlossene Schnelligkeit mit welcher Sie das ererbte Vermögen sofort in vier gleiche Theile theilten und drei Theile davon Ihrem Zartsinne folgend an Ihre Anverwandten verschenkten zeigte mir die Opferfreudigkeit Ihrer Seele im schönsten Lichte Die Lenksamkeit die Sie ein Lieblingsstudium aufgeben ließ um ein anderes zu beginnen weil es mich interessirte der unermüdliche Fleiß den Sie seitdem bei eben diesem Studium an den Tag legten die ungewöhnliche Kraftfülle mit der Sie alle Schwierigkeiten überwältigten das alles lieferte mir den deutlichsten Beweis daß sich alle von mir längst gesuchten Eigenschaften bei Ihnen vereint vorfanden Sie sind gelehrig fleißig uneigennützig treu beständig und muthig sanft und dabei doch heldenmüthig hören Sie also auf sich zu mißtrauen da ich in Sie und Ihre Fähigkeit ein unbedingtes Vertrauen sete Als Oberleiterin indischer Schulen und als Mitarbeiterin unter den Indierinnen wird mir Ihr Beistand unschätzbar sein Die Fesseln schlangen sich immer enger um mich die Ueberredung näherte sich langsamen aber sicheren Schrittes Mochte ich auch meine Augen schließen seine letzten Worte zeigten mir den Weg den ich zu gehen hatte Mein Antheil an dem Werke der mir so unbestimmt so gehaltlos erschienen war nahm unter seiner bildenden Hand eine bestimmte Gestalt an Er wartete auf eine Antwort Ich bat mir eine Viertelstunde Bedenkzeit aus Sehr gern versetzte er stand auf ging einige Schritte abseits warf sich auf den schwellenden Nasen nieder und blieb ruhig liegen Ich kann das vollbringen was er von mir verlangt dachte ich bei mir vorausgesetzt daß ich am Leben bleibe Aber mein Körper ich fühle es ist nicht im Stande den Einflüssen des tropischen Klimas lange zu widerstehen Was dann Er kümmert sich wenig darum und käme meine letzte Stunde er würde mich in aller Heiterkeit meinem Schöpfer empfehlen Ich sehe den Fall ganz deutlich vor mir Wenn ich England verlasse gehe ich aus einem mir theuren Lande das aber seit sich Mister Rochester nicht mehr darin befindet für mich keine Anziehungskraft mehr besitzt Aber selbst wenn dies der Fall wäre was habe ich weiter mit ihm zu schaffen in welches Verhältniß kann ich noch ferner zu ihm treten Ich muß also jedenfalls wie dies einst Saint John behauptete ein anderes Interesse an die Stelle des verlorenen setzen und ist nicht die Beschäftigung die er mir anbietet die ruhmvollste herrlichste die Gott einer Sterblichen zuweisen kann Ist sie nicht mehr als eine jede andere im Stande die Lehre welche gebrochene Liebe