mir denselben beigebracht hatte musterte er mich gleichsam um den Erfolg kennen zu lernen der indessen kein besonders sichtbarer gewesen sein mag Wenigstens weiß ich so viel daß ich nicht erröthete und eher etwas erblaßte da mir dieser Kuß wie die Besiegelung meiner Sklavenbande vorkam Von diesem Tage an wiederholte er diese Ceremonie jeden Abend und der Ernst und die Ruhe mit der ich dieselbe über mich ergehen ließ schienen ihm besondere Freude zu machen Was mich anbelangte so wünschte ich von Tag zu Tag immer mehr ihm alles zu Gefallen zu thun fühlte aber gleich zeitig recht gut daß ich zu diesem Behufe zun großen Theile meine Natur verleugnen meine Anlagen zur Hälfte unterdrücken meinen Neigungen sehr oft eine entgegengesetzte Richtung geben mußte um mich zu Arbeiten zu einer Thätigkeit zu zwingen zu denen ich keinen Beruf in mir fühlte Er wollte mich zu einer geistigen Höhe emporziehen die ich nie erreichen konnte und umsonst mühte ich mich ab dem von ihm aufgestellten Muster nachzukommen Die Sache war eine ebenso unmögliche als wenn er es unternommen hätte meine unregelmäßigen Gesichtszüge nach seinem classischen Profil umzumodeln und meinen grünen Augen das Ultramarinblau und den ernsten Glanz der seinigen zu verleihen Aber nicht sein Einfluß allein drückte mich zu jener Zeit nieder ein nagender Kummer saß mir im Herzen und verzehrte mein Glück meine Zufriedenheit im Keime Der Leser denkt vielleicht ich habe bei all den Orts und Glücksveränderungen Mister Rochester ganz und gar vergessen Keineswegs Sein Bild war keinen Augenblick von mir gewichen denn es war kein Nebelgebilde das der Sonnenschein zerstören noch ein in den Sand gegrabenes Erinnerungszeichen das der Wind verwehen konnte Wie in Erz war sein Name in die Gedächtnißtafel meines Herzens eingegraben und die Inschrift mußte wohl ebenso lange bleiben als das letztere zu schlagen anhielt Die Sehnsucht sein Schicksal zu wissen verfolgte mich überall als ich noch in Morton Schule hielt guälte ich mich jede Nacht mit diesem Gedanken nun ich im Moorhause wohnte ließ mich derselbe ebenso wenig schlafen Im Verlaufe meiner nothwendigen Correspondenz mit Mister Briggs stellte ich an ihn die Anfrage ob er etwas von Mister Rochester 's gegenwärtigem Aufenthalte und von seinem Befinden wisse allein wie es St John richtig vermuthet hatte konnte er mir in dieser Hinsicht nicht das Geringste mittheilen Ich schrieb darauf an Mistreß Fairfax und bat sie um Nachricht über ihren Herrn Mit Sicherheit hatte ich darauf gerechnet eine baldige Antwort zu erhalten ich war daher nicht wenig erstaunt als vierzehn Tage vorübergingen und kein Brief ankam und als endlich nach zwei vollen Monaten Mistreß Fairfax noch nichts von sich hören ließ erreichte meine Angst den Gipfelpunkt Ich schrieb noch einmal denn es konnte ja möglicherweise mein erster Brief in Verlust gerathen sein Neue Hoffnungen folgten dieser neuerlichen Bemühung die wie beim erstenmale einige Wochen anhielten und dann nachdem ein halbes Jahr ohne irgend eine Nachricht verflossen war gänzlich erstarben Ich fühlte daß es nun mit meinem Hoffen und Harren vorbei sei Ein herrlicher Frühling war ins