Briggs hat Ihnen eine wichtige Nachricht mitzuteilen.“ „Was für eine Nachricht sagen Sie es mir doch.“ „Es ist folgende Ihr Oheim Mr John Eyre in Madeira ist gestorben und hat Sie zur Universalerbin eingesetzt Sie besitzen gegenwärtig ein Vermögen von zwanzig tausend Pfund Sterling welche in englischen Fonds angelegt sind Um sie auf Ihren Namen übertragen zu lassen wartet Mr Briggs nur auf die Konstatierung Ihrer Identität.“ Ich weiß nicht war es in Folge der anderweitigen Beschäftigung meiner Gedanken oder trug der einfache und kalte Ton in welchem mir die Nachricht mitgeteilt wurde die Schuld davon kurz ich empfand eine sehr mäßige Freude darüber Wäre die Summe bescheidener und meinen täglichen Wünschen entsprechender gewesen so würde mir dieser Glückswechsel höchst wahrscheinlich in einem heiteren Lichte erschienen sein aber gerade die Größe des mir zufallenden Vermögens machte ihn mir drückend und lästig Mr Rivers welcher den Eindruck seiner letzten Worte in meinen Gesichtszügen aufmerksam beobachtete äußerte keineswegs Erstaunen darüber daß er mich so wenig angenehm überrascht sah Das Gegenteil würde ihn vielleicht gewundert haben „Machen Sie doch kein so trübes Gesicht Miß Jane “ sprach er zu mir „Wenn ich Ihnen mitteilte daß Sie eine reiche Erbin geworden sind so war es gewiß nicht meine Absicht Ihnen ein Medusenhaupt zu zeigen Und wenn Sie auch im Angesicht Ihrer zwanzigtausend Pfund Sterling einer Person gleichen die wenig Appetit hat und an einer reich servierten Tafel sitzt so denken Sie an die armen Gäste welche von dem Ueberflusse des Gastmahles genießen wollen Wahrhaftig “ setzte er hinzu indem er seinen Mantel nahm „wenn das Wetter diesen Abend nicht so abscheulich wäre so würde ich Ihnen Hannah schicken damit sie Ihnen Gesellschaft leistete denn es scheint mir ganz so als sähen Sie mit Bange dem Augenblick entgegen wo Sie allein sein werden Aber die gute Hannah würde sich kaum durch den Schnee hindurcharbeiten worin ich selbst auf dem Herwege fast versunken wäre.“ Nach diesen Worten stand er auf und ohne meine flehenden Blicke zu beachten verließ er mein bescheidenes Häuschen Meine Gedanken begleiteten ihn ganz natürlich und eine Reihe von Betrachtungen welche Sie ebenfalls angestellt haben würden führte mich darauf mir die Frage vorzulegen wie ich meine Beschützer ohne welche die Wohltaten meines Oheims ohne Zweifel für mich verloren gewesen wären an meinem neuen Glücke Teil nehmen lassen sollte Ich erinnerte mich jener kalten Nacht in der ich nahe daran war der Verzweiflung zu unterliegen als die Türen von Marsh-End sich mir plötzlich öffneten Ich erinnerte mich ferner welcher freundliche und vertrauensvolle Empfang mir daselbst zu Teil geworden war Nachdem ich mir die Sache zwei Stunden lang reiflich überlegt hatte war ein Entschluß gefaßt und als Saint-John mich am folgenden Tage besuchte kündigte ich ihm denselben an wie er mir mein Glück angekündigt hatte das heißt in kurzen bestimmten kategorischen Worten Meine Willensmeinung war mich mit der Hälfte der Erbschaft zu begnügen und zehntausend Pfund Sterling dem würdigen Geistlichen und seinen Schwestern zu überlassen Saint-John verzichtete seinerseits auf jede Teilnahme an meinem Geschenk Diana