„Dies ist eine eben nicht gastfreundliche Frage da Sie dieselbe aber einmal an mich richten so will ich Ihnen ganz einfach darauf antworten daß mich die Lust anwandelt ein wenig mit Ihnen zu plaudern Meine Einsamkeit und meine stummen Bücher langweilen mich und überdies befinde ich mich in der ganz eigenen Stimmung eines Menschen dem man den Anfang einer sehr interessanten Geschichte erzählt hat und der gern den Ausgang wissen möchte.“ Nach diesen Worten nahm er Platz Sein Besuch kam mir so unerwartet und es lag in seinem Benehmen etwas so ganz von seiner gewöhnlichen Zurückhaltung Abweichendes daß ich mich fragte ob nicht etwa ein unglücklicher Vorfall seinen Verstand erschüttert haben möchte Seine Stirn zeigte indessen mehr als je die unbewegliche Kälte des Marmors und seine Haltung war vollkommen ruhig und gemessen Nachdem ich ihn einige Augenblicke nachdenkend und stillschweigend das Herz von lebhaftem Mitleid über die auf die Fortschritte eines innern Kummers hindeutende immer zunehmende Magerkeit und Blässe seines Gesichts erfüllt betrachtet hatte und sah daß er nicht geneigt war das Wort wieder zu nehmen drehte ich den Docht meiner Lampe ein wenig empor und fuhr fort zu lesen Kurz darauf veranlaßte mich ein leises Geräusch einen Blick auf ihn zu werfen Ich wollte mir keine seiner Bewegungen entgehen lassen aber er zog nur ein Maroquinportefeuille hervor nahm einen Brief daraus den er stillschweigend las und nachdem er ihn wieder an Ort und Stelle gebracht hatte versank er von neuem in tiefes Nachsinnen Diese stumme Pantomime erweckte meine Neugierde Ich fragte ihn ob er Nachricht von seinen Schwestern habe und ob seine Abreise aus England näher bevorstehe als er geglaubt habe „Wollte Gott dem wäre so “ erwiderte er mir Ich sprach nun von mir und von der Schule indem ich alle möglichen Dinge berührte von denen der geheimnisvolle Brief handeln konnte aber ich erhielt nichts als bedeutungslose kurze Bemerkungen zur Antwort Endlich nach einem viertelstündigen Stillschweigen schlug die Uhr acht Mal und diese Töne schienen Mr Rivers aus seinem Nachdenken zu wecken „Legen Sie Ihr Buch einen Augenblick auf die Seite sagte er jetzt zu mir „und rücken Sie näher an den Kamin.“ Mit wachsendem Erstaunen erfüllte ich seinen Wunsch „Ich bemerkte Ihnen vorhin “ fuhr mein sonderbarer Gast fort „daß ich gern das Ende einer Geschichte wissen möchte deren erste Kapitel mir bekannt sind Ich will Ihnen diese erzählen vielleicht können Sie etwas zur Befriedigung meiner Neugierde beitragen.“ Ich stutzte bei dieser Einleitung und meine Neugierde war nicht frei von einer bangen Ahnung „Vor zwanzig Jahren “ hob Mr Rivers an „wurde ein armer Priester dessen Namen ich Ihnen seiner Zeit nennen werde von einer leidenschaftlichen Liebe zu der Tochter eines sehr reichen Mannes ergriffen Sie liebte ihn wieder und bewilligte ihm ihre Hand den Wünschen ihrer Eltern entgegen welche sich auf’s Höchste gegen sie aufgebracht sogleich nach dieser unseligen Verbindung gänzlich von ihr lossagten Noch ehe zwei Jahre verstrichen waren beide junge Leute gestorben und ruhten zusammen unter dem nämlichen Grabstein Sie hinterließen eine Tochter welche