Armenschule gleichwohl fünfzehn Pfund Sterling für jede Schülerin bezahlte und daß nur das Fehlende durch freiwillige Beiträge aufgebracht wurde Ueberhaupt verdanke ich ihr meine richtigsten Ansichten über die Anstalt selbst und über die Art und Weise wie ich mir meine Lage darin vorstellen mußte Helene war kaum dreizehn Jahre alt aber eine langjährige Gewohnheit des Unglücks hatte ihr Urtheil gereift und ihren Verstand ausgebildet Auch legte sie eine gewisse frühreife Klugheit an den Tag welche natürlich mehrere von den Personen die unsere Erziehung leiteten gegen sie einnahm Darin hatten auch die häufigen Ungerechtigkeiten und Kränkungen ihren Grund welche Helene immer stillschweigend ertrug selbst wenn sie mit einem einzigen Worte den blinden und gehässigen Tadel hätte entkräften können mit dem man sie ohne Ursache verfolgte Ich konnte mir dieses Stillschweigen nicht erklären das ich vielleicht ebenfalls aus Geringschätzung beobachtet haben würde das aber bei meiner gottesfürchtigen Freundin eine ganz andere Bedeutung hatte Eines Tages als ich sie wie gewöhnlich mit der größten Ruhe derjenigen unserer Lehrerinnen die sie am meisten quälte die Strafruthe hatte bringen sehen wollte ich mir über diese mich in Erstaunen setzende Resignation Aufklärung verschaffen Ich setzt mich neben Helenen welche in der leeren Klasse am Kamin in ihrem Rasselas las Sogleich schloß sie das Buch „Ich wette“ sagte ich ohne Einleitung zu ihr „daß Du mit dem Gedanken umgehst Lowood zu verlassen.“ „Ich “ erwiderte sie indem sie mich mit ungeheucheltem Erstaunen anblickte „ich bitte Dich warum denn Ich bin in dieses Haus gebracht worden um darin erzogen zu werden was würde es mir also nützen wenn ich es verließe ehe meine Erziehung vollendet ist “ „Aber Miß Scatcherd die erwähnte Lehrerin ist ja so grausam gegen Dich “ „Grausan Durchaus nicht sie ist nur streng Meine Fehler mißfallen ihr.“ „An Deiner Stelle würde sie mir mißfallen Ich würde mich ihr widersetzen Wenn sie mich schlüge wie sie Dich geschlagen hat würde ich ihr den Stock aus der Hand reißen und ihn auf ihrem Gesicht zerschlagen.“ „Dies würdest Du wahrscheinlich nicht thun und wenn Du es thätest so würdest Du aus der Schule gestoßen werden und darüber würden sich Deine Verwandte sehr betrüben Es ist viel besser einen Schmerz zu ertragen der uns allein betrifft als durch eine Aufwallung von Zorn allen Denen Kummer zu bereiten die uns ihre Theilnahme schenken Ueberdies schreibt die Bibel vor das Böse mit Gutem zu vergelten.“ Ich hörte diese Moral an ohne sonderlichen Geschmack an ihr zu finden Was mich besonders wunderte war de Mangel jedes Grolls gegen die Person über welche sich meiner Ansicht nach Helene mit Recht zu beklagen hatte Ich fühlte jedoch in meinem Herzen daß Helene ein richtiges Urtheil über die Dinge dieser Welt besaß das mir noch fehlte „Du sagst Helene “ fuhr ich fort „daß Du Fehler hast Worin bestehen sie denn Mich dünkt Du bist ganz tadellos.“ „Darüber will ich Dich enttäuschen und Dir lehren nicht nach dem äußeren Scheine zu urtheilen Ich bin wie Miß Scatcherd gesagt hat nachlässig und unaufmerksam Meine Sachen