es sich hingiebt vor jedem Verdacht und jedem Rückhalt zu bewahren Es war schon viel daß ich diese so lange verborgene Leidenschaft offen gestanden hatte nun mußte ich sie aber wenigstens vor jeder üblen Deutung schützen und es durfte nicht den Anschein gewinnen als ob eine seine Berechnung der Beweggrund meines Verfahrens sei das wie ich sehr gut wußte ein Gegenstand des Spottes und Tadels für die Welt sein würde Deshalb und nur deshalb war meine Armuth mir drückend Bei unserer Zurückkunft von Millcote hatte ich mir vorgenommen und ich führte diesen Vorsatz noch an dem nämlichen Tage aus an meinen Oheim John in Madeira zu schreiben um ihm mitzutheilen daß seine Nichte keineswegs gestorben war daß sie im Gegentheil eine weit über ihren Stand hinausgehende Verbindung schließen wollte und daß sie ihm herzlich für seine wohlwollenden Absichten dankte welche nur an den feindseligen Gesinnungen der Mittelperson gescheitert waren die er gewählt hatte Es war sehr zweifelhaft ob dieser Brief den Oheim noch am Leben finden würde und wenn dies auch der Fall war so war er vielleicht jetzt verheirathet und konnte nicht mehr frei über sein Vermögen verfügen Doch gleichviel schon die wenn auch noch so ungewisse Hoffnung meinem Gatten mit der Zeit eine größere oder kleinere Summe zubringen zu können gewährte mir einige Erleichterung bei dem Gedanken daß ich in gänzlicher Abhängigkeit von ihm leben mußte Ein anderes Bedenken für mich bestand darin während der langen vertraulichen Unterhaltungen mit einem Manne der meiner Liebe gewiß war den gefährlichen Aeußerungen seiner Zärtlichkeit auszuweichen Doch in diesem Punkte unterstützte mich mein wirkliches Gefühl vortrefflich Ich lernte aus der Wendung die das Gespräch nahm aus dem Tone der Stimne aus dem Feuer des Blicks die Vorläufer dieser Ausbrüche welche mich ins Verderben stürzen konnten wenn ich mich von ihrem ansteckenden Zauber hinreißen ließ und von nun an richtete ich es so ein daß ich immer eine kleine Härte oder üble Laune zu meiner Verfügung hatte die ich im Nothfall als ein sicheres Präservativmittel anwendete Diese Taktik erforderte einige Gewandtheit denn wenn ich auch Rochester einen Augenblick mißfallen wollte so war es doch nicht meine Absicht ihn mir auf immer zu entfremden Und ich schwöre es Ihnen es bedurfte eines Muthes den ich mir nie zugetraut hatte um bei dem Mißvergnügen der schmerzlichen Ueberraschung der Besorgniß und der Angst standhaft zu bleiben welche sich in den Zügen meines Geliebten malten wenn ich mich absichtlich übellaunisch oder gekränkt oder spöttelnd oder zerstreut stellte um nicht zu hingebend zu unterwürfig und besonders von seiner Leidenschaftlichkeit nicht zu sehr angesteckt zu werden Bedenken Sie wohl theure Freundin daß mein zukünftiger Gatte damals die ganze Welt für mich war daß die Hoffnung von ihm geliebt zu werden mir Ersatz für jede andere Hoffnung war Er stand zwischen meiner Seele und jedem frommen Gedanken wie die Wolke zwischen dem Auge des Menschen und den Strahlen der Sonne er war mein Ideal geworden Die vier Wochen dünkten Rochester eine Ewigkeit Fast jeden Abend berechnete er wie viele Tage