Gesellschaft am wenigsten seine Fassung verloren hatte „ich finde ihn nicht in seinem Bett.“ „Hier bin ich ich komme schon beruhigen Sie sich “ rief die Stimme des Hausherrn Die Thür am Ende des Corridors wurde geöffnet und Mr Rochester der offenbar aus der obern Etage herabkam erschien mit einem Lichte in der Hand Eine von den Damen ging ihm sogleich entgegen und ergriff seinen Arm Es war Miß Ingram Die beiden Misses Eshton glaubten ebenfalls sich an ihm festhalten zu müssen und zwei lange ältliche Damen in ihren weißen Nachtgewändern steuerten wie zwei Dreimaster mit ausgespannten Segeln dem nämlichen Punkte zu „Bitte bitte erdrücken Sie mich nicht meine Damen “ sagte Rochester in einem heiteren Tone der mir etwas unnatürlich vorkam „Es ist eine reine Mystification nichts Anderes Noch einmal lassen Sie mich los ich bin ein gefährliches Tier.“ Während er so scherzte zuckten Blitze aus seinen großen schwarzen Augen und ich dachte in meinem Innern daß er in der That „gefährlich“ war Aber er unterdrückte gewaltsam seine heftige Aufregung „Die ganze Sache ist nichts “ sprach er weiter „nichts als eine nervenkranke Dienerin welche der Alp drückte Sie hat im Traume eine Erscheinung gehabt die einen neuen Anfall hervorgerufen hat Kehren Sie in Ihre Zimmer zurück ich bitte Sie darum Es ist durchaus nöthig damit ihr die nöthige Pflege zu Theil werden kann Meine Herren gehen Sie den Damen mit einem guten Beispiele voran und Sie meine Damen beschämen Sie die Herren.“ So nöthigte er Jedermann halb scherzend halb unwillig in sein Zimmer zurückzukehren Ich hatte den über mir ausgestoßenen Schrei zu deutlich gehört und den Verlauf des beschriebenen Kampfes zu genau verfolgt als daß ich der schnell erdichteten Fabel Mr Rochesters Glauben schenken konnte Nachdem ich vollständig angekleidet und auf Alles gefaßt war setzte ich mich in der unbestimmten Erwartung eines neuen Vorfalles an das Fenster und ließ meinen Blick über die vom Monde beleuchteten Gebüsche schweifen Allein es war nach und nach wieder völlig still geworden es regte sich nichts mehr über mir Der Schlaf und die Nacht gewannen ihre Herrschaft wieder Der Mond stand im Westen und war im Begriff am Horizont hinabzusinken Die Kühle und die Dunkelheit veranlaßten mich vom Fenster zu gehen in der Absicht mich angekleidet auf mein Bett zu legen als ich aber meine Pantoffeln ausziehen wollte vernahm ich an meiner Thür ein außerordentlich leises behutsames Klopfen „Wünscht man etwas von mir “ fragte ich „Sind Sie aufgestanden entgegnete die Stimme Mr Rochesters die ich im Voraus vermuthet hatte Ja ich bin auf.“ „Und angekleidet “ „So kommen Sie aber so geräuschlos als möglich.“ Ich gehorchte Mr Rochester erwartete mich mit einem Lichte im Corridor „Ich bedarf Ihres Beistandes “ sagte er zu mir „ kommen Sie mit mir Beeilen Sie sich nicht wir dürfen vor Allem Niemanden aufwecken.“ Meine Schuhe waren zum Glück sehr dünn und überdies kennen Sie meinen leichten Gang ich begleitete ihn so bis in das dritte Stockwerk nach dem dunkeln und niedrigen Gange den ich schon