Verbeugung zu ihr „da mein Freund Mr Rochester nicht zu Hause ist doch nach der langen Reise welche ich zurückgelegt habe um ihn zu besuchen fürchte ich nicht einem so alten und intimen Bekannten gegenüber indiscret zu erscheinen wenn ich Sie um Erlaubniß bitte ihn hier erwarten zu dürfen.“ Die außerordentliche Höflichkeit dieses Fremden sein etwas ausländischer Accent seine ziemlich regelmäßigen aber nichtssagenden und ausdruckslosen Gesichtszüge erregten meine Aufmerksamkeit nur in geringem Maße Er konnte ungefähr das nämliche Alter haben wie mein Gebieter das heißt etwa 40 Jahre aber welch ein Unterschied zwischen diesen beiden Physiognomien Die eine war die eines gewöhnlichen „schönen Mannes “ ohne Kraft ohne Feuer ohne Geist während die andere von Kühnheit Leidenschaftlichkeit und Energie strahlte Der Fremde fand Gelegenheit uns seinen Namen Henry Mason zu nennen und uns zu sagen daß er aus Westindien komme was einigermaßen den Ueberfluß warmer Kleidungsstücke erkärte in die er sich an einem schönen Maitage eingehüllt hatte Aus seinen Reden erfuhr ich daß Rochester in Jamaika sein Gast gewesen war ich wusste bis jetzt noch nicht daß er diese Insel besucht hatte denn nie hatte er in unseren Unterhaltungen etwas von weiten Reisen erwähnt Während ich über diesen an sich ziemlich unbedeutenden Umstand nachdachte trat ein Bedienter ein um nach dem Feuer zu sehen und sagte dann Mr Eshton leise einige Worte auf welche dieser ohne sich im Lesen der Times stören zu lassen in verdrießlichem Tone erwiderte „Saget ihr daß ich sie hinauswerfen lasse wenn sie nicht gutwillig geht.“ „Was giebt es denn “ fragten sogleich mehrere Stimmen „Eine Närrin eine Zigeunerin ist hier “ versetzte der ernste Magistratsbeamte in dem nämlichen Tone welche den Damen wahrsagen will.“ „Nun warum nicht “ rief Blanca Ingram sogleich die in allen Dingen nach Effect haschte Da ihre Mutter sich hineinmischen wollte sagte sie zu dieser „Bitte liebe Mutter kümmern Sie sich nicht um diesen kleinen Scherz er ist nur für uns junge Mädchen.“ Der erstaunte Bediente blickte Herrn Eshton an um zu erfahren ob er gehorchen sollte aber ein entschiedener Befehl Blanca 's machte seiner Unschlüssigkeit ein Ende Er entfernte sich daher und kehrte mit der Meldung zurück daß die Wahrsagerin im Bibliothekzimmer neben dem Salon ihre Kunst zeigen wolle Blanca Ingram eröffnete den Reigen und drang beherzt in das Zaubergemach ohne es zuzugeben daß ihre Mutter sie begleitete Nach einer zehn Minuten langen Conferenz kam sie zurück und sprach kein Wort war aber augenscheinlich sehr gedankenvoll Ihre Schwester und zwei andere junge Damen folgten nacheinander ihrem Beispiele und Jede von ihnen trat mit einer Miene von Staunen und Entsetzen wieder ein Die Zauberin hatte ihnen Dinge gesagt unerhörte Dinge Sie kannte sie Alle und wußte ihre tiefsten Geheimnisse Es war fürchterlich wunderbar unglaublich Durch das allgemeine Erstaunen wurde die Neugier der anwesenden jungen Männer erregt und sie wollten ebenfalls in die Bibliothek gehen aber Sam der Bediente welcher das Amt des Huissiers versah erklärte daß die Wahrsagerin sie nicht vorlassen wolle und nur ein noch im Salon befindliches junges Mädchen