Mr Rochester fort „hat mir Adele Zeichnungen gezeigt die wie sie sagt von Ihnen sind Wahrscheinlich sind sie corrigirt worden “ Nein gewiß nicht rief ich aus „Aha Ihr Stolz fühlt sich beleidigt Bringen Sie mir doch gefälligst Ihr Portefeuille da Sie sagen daß diese Zeichnungen ganz von Ihnen sind Aber geben Sie Ihr Wort nicht leichtsinnig denn ich verstehe mich auf Flickwerk.“ Ohne etwas zu erwidern holte ich aus der Bibliothek das verlangte Portefeuille „Einen Tisch “ Ich rollte einen Tisch an das Sopha Mistreß Fairfax und Adele kamen herbei um die Bilder mit anzusehen „Nicht so “ sagte Mr Rochester „Nehmen Sie die Zeichnungen nach einander wie ich sie bei Seite lege ich kann es nicht leiden daß Köpfe dem meinigen so nahe sind Dann betrachtete er mit einer lustig werdenden Aufmerksamkeit meine unvollkommenen Kunstleistungen Drei von ihnen wurden auf die Seite gelegt die andern überließ er der Neugier seiner Mündel welche sie mit an einen andern Tisch nahm Ich wollte mit ihr gehen aber er rief mich zurück „Sind diese Zeichnungen wirklich von Einer Hand “ fragte mich hierauf „und ist diese Hand die Ihrige “ „Ja “ antwortete ich „Und wo haben Sie die Zeit dazu genommen denn solche Zeichnungen erfordern Zeit und übrigens auch noch manches Andre “ Ich erklärte ihm daß ich in meinen Mußestunden daran gearbeitet wenn ich nichts Andres zu thun hatte „Aber woher nahmen sie die Originale dazu „Aus meinem Kopfe.“ „Aus dem kleinen Köpfchen das ich auf ihren Schultern sehe “ „Allerdings.“ Würden Sie noch mehr ähnliche darin finden „Wahrscheinlich vielleicht sogar bessere wie ich wenigstens hoffe.“ Er betrachtete von Neuem die drei Bilder die ich Ihnen etwas näher beschreiben muß damit Sie sein Erstaunen würdigen können Aufrichtig gesagt war die Ausführung mittelmäßig aber wenn auch meine Hand meine Idee nicht wiedergegeben hatte so ist doch so viel gewiß daß diese Phantasiegebilde der Einsamkeit und einer träumerischen Jugend einigen Eindruck machen mußten Alle drei waren Aquarellgemälde Das eine stellte schwere Gewitterwolken über einer hochgehenden See dar Der Hintergrund und die andern Partien waren in Dunkel gehüllt Im Mittelgrunde erleuchtete ein Lichtstrahl einen zur Hälfte aus dem Wasser hervorragenden großen Mast auf welchem ein Cormoran mit dunklem Gefieder und schaumbespritzten Flügeln saß Dieser hatte in seinem Schnabel ein Armband von Gold und Edelsteinen das in Folge seines lebhaften Colorits scharf hervortrat Zwischen dem Vogel und dem Maste unter einem halb durchsichtigen grünen Wasserschleier erblickte man einen ertrunkenen Leichnam von welchem man nur einen Arm einen schönen völlig entblößten Frauenarm dem das Armband ohne Zweifel entrissen worden war deutlich unterscheiden konnte Das zweite Aauarell zeigte im Vordergrunde den dunklen Gipfel eines mit Gras bewachsenen Berges an dessen Fuße der Wind einige Blätter vor sich her trieb Jenseits und drüber erhob sich in dem weiten Himmelsraume von so matten und weichem Colorit als ich hatte anwenden können eine weibliche Gestalt Ein Stern glänzte über ihrer bleichen Stirn und man erblickte ihre Züge nur wie hinter einem Nebelschleier verborgen den das wilde Feuer ihrer